Kultur

Schwetzinger Festspiele Trio Mediaeval im Speyerer Dom

Besondere Atmosphäre

Einen wahren Schatz hat die katalanische Abtei Las Huelgas mit ihrer Liedersammlung des 13. bis 16. Jahrhunderts hinterlassen. Sie wurde für unterschiedliche liturgische Anlässe geschaffen und dokumentiert besonders in ihren mehrstimmigen Fassungen eine hohe Kunstfertigkeit. Freilich unter der Voraussetzung einer adäquaten Interpretation und eines passenden Raums, wie ihn das Trio Mediaeval mit der Krypta des Speyerer Domes gefunden hat.

Dort, in der Gruft der Salierkaiser, knüpfen Anna Maria Friman, Linn Andrea Fuglseth und Jorunn Lovise Husan an die Tradition des Gesangs jener Nonnen an, dank denen Las Huelgas bis in die späte Neuzeit hinein als bedeutendstes Frauenkloster Spaniens galt. Als königliche Grablege dienend, lassen sich zwischen der spanischen Abtei und dem Speyerer Dom weitere Fäden spinnen – zumal beide Kirchenstandorte über den Jakobsweg miteinander verbunden sind.

Moderne Ästhetik

Die drei Norwegerinnen sind ausgewiesene Interpretinnen mittelalterlicher Vokalmusik; sie erweitern ihr Repertoire zugleich um zeitgenössische Kompositionen, die jene der Gregorianik entwachsenen Lieder in eine moderne Ästhetik überführen. Beim Konzert in der Speyerer Domkrypta fügen sie den Liedern aus dem Huelgas-Codex Werke des britischen Komponisten Ivan Moody hinzu, die sich – etwa mit zeitgenössischen Bearbeitungen von marianischen Hymnen – auch der griechisch-orthodoxen Tradition bedienen.

Im behutsamen Umgang mit Glockenstäben und sogenannten Shrutiboxen, die den Gesang mit einem Bordun-Orgelton unterlegen, entsteht an diesem Ort eine besondere Atmosphäre, die sich einer rein sakralen Festlegung allerdings entzieht. Die ebenso filigranen wie komplexen Tondichtungen finden in den hellen und klaren Stimmen der drei Sängerinnen einen lebhaften Ausdruck. Jene aus mystischen Tiefen stammenden Lieder halten sich für einen Moment im moderaten Nachhall der Krypta auf, um sich anschließend in zeitlose Weiten zu verströmen.