Kultur

Theater Heilbronn Pfalztheater Kaiserlautern gastiert mit Léhar-Operette „Land des Lächelns“

Besondere Ost-West-Affäre ohne Happy-End

Archivartikel

„Dein ist mein ganzes Herz, wo du nicht bist, kann ich nicht sein“, Operetten-Seligkeit par excellence. Melodiös bezaubert Blütenlyrik: Chrysantheme, Lotosblume und ein Kranz aus Apfelblüten verströmen orientalische Düfte. Schließlich ein Plot, der auch heute noch eine Schlagzeile hergäbe: „Wiener High Society-Lady brennt mit chinesischem Prinzen durch“. Doch Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“ ist mehr: Ein tiefsinniger Kulturvergleich, gestaltet mit größtem künstlerischem Anspruch.

„In der Operette darf niemals der Zusammenhang mit dem Menschlichen verloren gehen“, war Lehárs Credo, der sich dem Image des Genres, das als oberflächlich gilt, mit Empathie entgegenstellt: „Gestalten, die mich fesseln, werden immer wieder lebendig, ihr Leben wird mein Leben, ihre Gefühle werden meine Gefühle, ihr ganzes Wesen löst sich, wie die Landschaft, in der sie stehen, und die Luft, die sie atmen, in Musik auf.“ Das Pfalztheater Kaiserslautern gastiert mit dem opulenten Bühnenwerk noch zweimal, am Samstag, 20. April, und Dienstag, 7. Mai, im Großen Haus des Theaters Heilbronn.

Der Inhalt, der von einer wirklichen Begebenheit ausgeht, ist schnell erzählt: Wien 1912. Lisa, eine Dame der besseren Gesellschaft, liebt den chinesischen Diplomaten Prinz Sou-Chong. Seine exotische Aura und sein ungewohnt zurückhaltendes Wesen faszinieren sie.

Als Sou-Chong in seine Heimat zurückbeordert wird, begleitet Lisa ihn entgegen aller Warnungen. Im fernen Land des Lächelns begegnet sie Sitten und Bräuchen, die nicht in ihr Weltbild passen. Desillusioniert will sie das Land möglichst schnell verlassen.

In der Rolle des Prinzen Sou-Chong entfaltet der mehrfach ausgezeichnete Koreaner Daniel Kim (ausgebildet in Seoul und Berlin) mit viel Sentiment, jedoch ohne die Kitschgrenze zu verletzen, ein fein ausdifferenziertes Belcanto. Bella Figura an seiner Seite macht Ruth Theresa Fiedler als sportlich elegante Lisa, deren schmeichelnder Sopran besonders in der Höhe vor Kraft und Expressivität strotzt. Mit flirrendem Spielwitz mischt Mi alias Monika Hügel, eine köstliche Soubrette, in allen Tonlagen die strenge Etikette am kaiserlichen Hof in Peking auf.

Das Libretto (Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda nach Texten von Viktor Léon) gewährt den weiblichen Rollen viel emanzipatorische Freiheiten: Lisa hat ein Pferderennen gewonnen, ihr Sieg wird von der Wiener Hautevolee im ersten Akt groß gefeiert. Mi als Tennisspielerin brüskiert im kurzen Röckchen die chinesischen Würdenträger und parodiert, nun sittsam gewandet, im knöchellangen Kimono alles, was in der Belle Epoque in Europa Mode war.

Die älteren Semester der Herren verkörpern, wie Bernhard Schreurs in der Sprechrolle des Grafen Ferdinand Lichtenfels (Lisas Vater) und der Bariton Thomas Kollhoff als Tschang (Oheim von Prinzessin Mi und Prinz Sou-Chong) das alte Regime – auf der österreichischen Seite ein wenig flapsig selbstironisch, auf chinesischer Seite förmlich streng.

Operettenhafte Leichtigkeit vermitteln die beiden Buffotenöre Daniel Böhm als Graf Gustav von Pottenstein, genannt Gustl, Anwärter auf die umschwärmte Lisa. Und Peter Floch als Obereunuch, ein Hofschranze mit kabarettistischem Potential.

Anton Legkii am Pult feuert das Orchester des Pfalztheaters, die Sänger, den Chor und die Tänzer an. Pompös und mit viel Lokalkolorit ausstaffiert sind die historisch anmutenden Bühnenbauten (Thomas Dörfler), von Art Deco und Chinoiserie inspiriert die Kostüme (Sven Bindseil), schön und stimmig ist der Chorgesang, etwas beengt wurden Fahnen- und Fächertänze auf jeweils drei (statt sechs) Tänzer reduziert.

Lisa kehrt schweren Herzens in ihre Heimat zurück. Sou-Chong bleibt trauernd zurück: „Immer nur lächeln und immer vergnügt, immer zufrieden, wie’s immer sich fügt, lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen. Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand was an“.

Mit diesen Worten fällt der Vorhang.

Applaus für eine Ost-West-Affaire ohne Happy End. Ein Schelm, wer dabei an Trump und Kim denkt.