Kultur

Bewahrt seine Werke

Archivartikel

Beethoven und ich? Wenn ich ehrlich sein soll: Wir sind uns nie begegnet. Meine Eltern haben mir nie die kleine Beethoven-Büste gekauft, die eine Zeit lang zum häuslichen Klavier gehörte wie der Fuchsschwanz zum Bonanza-Rad. „Für Elise“ hab ich mal gelernt, ja, aber direkt danach auch die „Ballade pour Adeline“ – das hebt sich auf.

Meine Frau hatte eine Jugendfreundin, die in der Beethovenstraße wohnte, das wäre ein Berührungspunkt. Und natürlich die Eurovisionshymne vor den großen Samstagabend-Shows meiner Kindheit. Die er geschrieben hat, als er schon richtig taub war. So ist Europa. Jeder hört nur die Musik in seinem eigenen Kopf. Später habe ich erfahren, dass es ernsthafte Überlegungen dazu gibt, ob er nicht in Wirklichkeit afrikanischer Abstammung und somit ein Fall für #blacklivesmatter und quasi der Chuck Berry der Wiener Klassik war. Weißte Bescheid.

Ein versoffener Stinkstiefel mit dem Ego eines Donald Trump soll er ganz sicher gewesen sein. Er hat sich wohl das Sorgerecht für seinen Neffen allein durch gekonnt üble Nachrede und sein vermeintlich adeliges „van“ erschlichen. Den jungen Mann hat er dann so getriezt, dass dieser nur noch den Ausweg eines Selbstmordversuchs sah.

Da ist also eine Menge Irritierendes, das man sich wegdenken muss, wenn man seine Musik hört. Gerüchteweise soll es sich lohnen. Und das, das sagt mir Beethoven tatsächlich: Vergesst die Künstler, bewahrt ihre Werke!

Frederic Hormuth (51) stammt aus Mannheim, wohnt in Heppenheim, ist Kabarettist, Musiker und Autor. In der Kolumne „Mein Beethoven“ schreiben anlässlich seines 250. Geburtstages über das ganze Jahr samstags Prominente über ihr Verhältnis zum Komponisten.

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