Kultur

Festival des deutschen Films Sven Halfars Dokumentarfilm "Silly - Frei von Angst" mit Anna Loos feiert auf der Parkinsel Premiere

Bewegende deutsche Bandgeschichte

Archivartikel

Das Gelächter aus der ersten Reihe ist nicht zu überhören. Auch der Rest des ausverkauften Festivalzelts lacht über die komischen Szenen in "Silly - Frei von Angst", aber die Band und das Filmteam auf den Ehrenplätzen ist besonders ausgelassen. Kein Wunder: Der Dokumentarfilm von Sven Halfar über die Deutschrock-Band feiert beim Festival des deutschen Films Premiere - inklusive kleinem Konzert im Anschluss.

Zunächst aber wird der Film gezeigt - und das ist keine kurze Angelegenheit: 114 Minuten lang ist die Doku, die Anna Loos und ihre Bandkollegen von den ersten Proben für die "Wutfänger"-Tour" bis zu den Konzerten - unter anderem im Mannheimer Capitol - begleitet. Gerade zu Beginn geht der Film zuweilen sehr ins Detail: Da werden Familienmitglieder vorgestellt, die eigentlich nichts mit Silly zu tun haben, und zahlreiche Situationen aus dem Probenalltag. So bekommt man schnell ein Gefühl für die Atmosphäre zwischen den Musikern, die zwischen lockerer Heiterkeit und Konzentration changiert - ein paar Szenen hätten im Schneideraum aber noch gestrichen werden können.

Als der Film beginnt, den Ursprüngen von Silly nachzuspüren und diese den Tourvorbereitungen in der Gegenwart gegenüberzustellen, nimmt er aber Fahrt auf. Schließlich gibt es da viel zu erzählen: Mit Tamara Danz als Sängerin waren Silly eine DDR-Kult-Band - mit rockiger Attitüde, die ihren Protest gegen das System in poetische Texte voller Metaphern verpackte. Dass die populäre Frontfrau zuerst die große Liebe von Keyboarder Ritchie Barton und dann die von Gitarrist Uwe Hassbecker war, darüber sprechen die beiden Bandkollegen im Film mit beeindruckender Offenheit - und auch darüber, dass Tamara Danz später an Krebs erkrankte und bis zum Tod 1996 von ihrer Band gepflegt wurde. Silly waren danach erst einmal auf Eis gelegt - begraben hatten die Musiker ihre Band aber nie. "Ich hatte Tamara versprochen, Silly nicht sterben zu lassen", sagt Jäcki Reznicek im Film.

Bis klar war, dass es einen Neuanfang geben soll, vergingen aber viele Jahre. Dann hatten die Silly-Männer zunächst die Idee, mit mehreren Sängern zu arbeiten. Sie fragten auch Anna Loos - und die hatte klare Vorstellungen: "Ich habe ihnen gesagt: ,Ihr müsst das mit einem machen, und das bin ich'", erzählt sie nach der Premiere im kleinen Zelt am Rheinufer - und lacht laut.

Live unterstreicht sie den Eindruck aus dem Film: Anna Loos ist die passende Frontfrau. Die Schauspielerin und Sängerin ist keine zweite Tamara Danz und will es auch nicht sein. Ihre Texte sind weniger poetisch, dafür direkter. Sie ist weniger punkig, kann aber ebenso ehrgeizig und eigensinnig sein - und hat die Band so ins Deutschland der Gegenwart geholt. Ob Silly in Frankfurt an der Oder oder in Frankfurt am Main auftreten, ist da nicht mehr so wichtig. Hauptsache, das Publikum geht so mit wie das auf der Parkinsel, das jede Zeile von "Deine Stärken" beim kleinen Sonderkonzert lauthals mitsingt.

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