Kultur

Einzigartiges Erbe

Bewerbung um UNESCO-Welterbe

Worms.Der Countdown läuft. In genau einem Jahr werden die drei so genannten SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz ihre Bewerbung um die Aufnahme ins Welterbe abgeben. Damit soll das große und einzigartige jüdische Erbe der drei Städte gesichert und dauerhaft für die Nachwelt erhalten werden. Es hätte dann den gleichen Rang wie die Pyramiden von Gizeh, der Grand Canyon, die Chinesische Mauer oder die Pfahlbauten vom Bodensee. „Es gibt allen Grund zum Optimismus“, sagt zumindest Gerold Bönnen, Leiter des Wormser Instituts für Stadtgeschichte, der gemeinsam mit zahlreichen Institutionen und Wissenschaftlern die Bewerbung vorbereitet. Schließlich seien in den derzeit 1092 Unesco-Stätten das jüdische Erbe deutlich unterrepräsentiert, berichtet Stefanie Hahn vom rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium. Und das könne politisch genauso bedeutend sein wie die Tatsache, dass es sich um einen deutschen Antrag zum jüdischen Erbe handelt. Negativ könnte es sich allerdings auswirken, dass Israel wie auch die USA der Unesco 2017 den Rücken gekehrt haben.

Gleichwohl bemühen die drei Städte, der gemeinsam gegründete Verein SchUM-Städte und das Land Rheinland-Pfalz allen wissenschaftlichen Sachverstand, um das 1000-seitige Bewerbungsschreiben so fundiert wie möglich zu verfassen. So sind unter anderem das Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden an der Universität Trier und das Institut für mittelalterliche Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg damit beschäftigt, die Einzigartigkeit des jüdischen Erbes von Speyer, Worms und Mainz herauszuarbeiten. Denn das ist die hohe Hürde, die es zu nehmen gilt: Die Stätte muss einen „außergewöhnlichen universellen Wert“ besitzen, sodass sie den dauerhaften Schutz der internationalen Gemeinschaft verdient. Und da wurden die Forscher reichlich fündig. Schließlich waren die drei jüdischen Gemeinden prägend für das mitteleuropäische (aschkenasische) Judentum, ihre Talmudschulen schufen die Grundlagen der jüdischen Rechtssprechung. Außerdem ist vor allem in Worms ein bauliches Ensemble rund um die Synagoge und den jüdischen Friedhof in einer einzigartigen Dichte und Vollständigkeit erhalten. Dass die Nazis die Synagoge im November 1938 zerstörten, schadet der Bewerbung nicht. Schließlich bauten die Wormser das Gotteshaus in den 1960er Jahren wieder auf und dokumentierten diesen Wiederaufbau nach strengen wissenschaftlichen Kriterien.

Das Frauenbad der Synagoge in Speyer gilt als älteste Monumental-Mikwe dieser Art, auch die „Frauenschul“ ist die älteste. Worms und Mainz können außerdem ihre höchst bedeutenden jüdischen Friedhöfe in die Bewerbung einbringen.

Der damalige Ministerpräsident Kurt Beck brachte die Aufnahme ins Unesco-Welterbe 2006 in seiner Regierungserklärung ins Spiel. Es war viel Vorarbeit nötig, bis die Arbeit am eigentlichen Antrag 2015 beginnen konnte. Jetzt ist der Text weitestgehend geschrieben und befindet sich in der Abstimmung und muss dann noch ins Englische übersetzt werden. Abgabetermin ist im Januar 2020, die Entscheidung fällt das Welterbekomitee in Paris im Spätsommer 2021.