Kultur

Lesung Najem Wali und Sibylle Lewitscharoff stellen Buch „Abraham trifft Ibrahîm“ in Heidelberg vor

Bezüge von Bibel und Koran

Heidelberg.Eine Weinlaune ist es vielleicht gewesen. Aber keine Schnapsidee. Als Najem Wali und Sibylle Lewitscharoff vor drei Jahren bei den Wormser Nibelungenfestspielen zusammentrafen, lernten sie sich schätzen und beschlossen ein gemeinsames Projekt, das Wali lange schon im Kopf herum ging: Streifzüge durch Bibel und Koran zu unternehmen und zu untersuchen, wie die oft identischen Figuren und Propheten in den beiden großen Glaubensmanifesten ausgestaltet werden. Parallelen gibt es viele. Und bei Lewitscharoff, der studierten Religionswissenschaftlerin, und Wali, dem gelernten Atheisten, darf man sicher sein, dass dabei keine groben Vorurteile walten. „Abraham trifft Ibrahîm“ heißt ihr erst dieser Tage publiziertes Buch.

Mit Abraham fängt auch die Heidelberger Lesung an, im Deutsch-Amerikanischen Institut serviert uns Lewitscharoff dazu eine hübsche Anekdote über einen großen Zweifler vor dem Herrn: den Dichterphilosophen Søren Kierkegaard. Dem sei während der Studienjahre in Berlin mal Gott erschienen. Dieser sei eine Maus gewesen, habe gutes Dänisch sprechen können und den Tötungsauftrag rundweg abgestritten, den er angeblich dem Vater Abraham erteilt habe (dessen Sohn Isaak betreffend).

Das klingt ziemlich lustig, aber Lewitscharoff meint es ernst: Die Abraham-Geschichte ist für sie ein absoluter Wendepunkt, weil sie einen Humanisierungsschub ermöglicht habe. Weg vom Menschenopfer, das bis dahin weithin üblich war.

Von Najem Wali hören wir die Fassung des Korans: Aus Abraham wird Ibrahîm, der aber wieder eine Sonderstellung hat als „Vater der Semiten“ (also auch der Araber) und der Propheten. Diesmal soll der Erstgeborene geopfert werden, Ismail, aber ansonsten sind die Ähnlichkeiten überdeutlich.

Passagen gleichen sich

Haben die Koran-Autoren einfach abgekupfert und im Jahre 700 schon Kopieren und Einfügen betrieben, wie ein Herr im Heidelberger Publikum andeutet? Nicht ganz, antwortet Najem Wali. Denn die Bibel sei zwar eine Vorlage für den Koran gewesen, habe aber ihrerseits Vorlagen gehabt, wie unter anderem der Mythos von der Sintflut zeige. Wali kennt sich mit den alten orientalischen Kulturen aus, er stammt aus Basra im Irak. Von dort ist es ins legendäre Ur (einst Hauptort der Sumerer) nicht allzu weit.