Kultur

Komödie im „Marquardt“ Letzter König im Mittelpunkt

Billige Kalauer

Archivartikel

Wilhelm II. steht im Mittelpunkt eines Theaterstücks, das in der Stuttgarter Komödie im „Marquardt“ uraufgeführt wurde.

Jeder andere, ob nun Württemberger oder nicht, hätte diese Rolle in der Komödie „Ein Strumpfband seiner Liebeslust“ von Tobias Goldfarb, mit dem Untertitel „Kommissar Holzapfel ermittelt“, übernehmen können. Denn es handelt sich weder um ein historisches Dokumentarstück noch erfährt man Charakteristisches über die Person dieses Königs, allenfalls, dass er Bürger zu seinen Herrenabenden ins Wilhelmspalais eingeladen hat. Denn nach einem Solchen ist die Handlung angesiedelt.

Rotes Strumpfband im Becher

Da findet sich nämlich ein rotes Strumpfband im Trinkbecher seiner Majestät, das Auslöser der ganzen, mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogenen Geschichte ist, Wie ist es da hinein gekommen und wem gehört es, das ist die als spannend deklarierte Frage. Sie zu lösen ist die Aufgabe des Kommissars Holzapfel, der die Ermittlungen führt und die „letzte Nacht minutiös rekonstruieren“ will. Und so beginnt denn der Kriminalist seine Arbeit. Anwesend sind dabei König Wilhelm II. von Württemberg, seine zweite Gemahlin, Königin Charlotte, ein einheimischer Arzt namens Dr. Alois Künzle, das Nordlicht Malte Steenkamp und investigative Journalistin, Fräulein Weiß, und schließlich taucht auch noch Lulu auf, eine russische Dame aus dem Rotlichtmilieu.

Was sich dann rund zwei Stunden lang auf der Bühne abspielt, das ist haarsträubend und wird dazu sprachlich ziemlich primitiv erzählt, mit billigen Kalauern garniert. So wird etwa „In dubio pro reo“ mit „Im Zweifel für das schwarze Reh“ übersetzt, Lulu als „Diana hinter der Fichte“ vorgestellt und das sagenhafte Bernsteinzimmer als „Bimssteinzimmer“ ins Spiel gebracht, nicht zu vergessen, eine „elegische Ballade aus dem Unterholz“, die vorgetragen wird.

Die Ausstattung des königlichen Jagdzimmers, in dem Kommissar Holzapfel die kriminalistische Rekonstruktion vornimmt, in der Art, wie sich Klein-Fritzchen diese Arbeit vorstellt, besorgte Barbara Krott in dem von ihr gewohnten realistischen Stil. Zu allem Überfluss inszeniert der Autor Tobias Goldfarb sein Opus auch noch selbst. Von Rollencharakterisierungen kann dabei keine Rede sein. Dieter Schnabel