Kultur

Comedy Hazel Brugger erntet mit ihrem erstaunlich unpolitischen Auftritt in der ausverkauften Alten Feuerwache stürmischen Beifall

Bissiger Hintersinn im Plauderton

Der Blick ins Publikum in der ausverkauften Alten Feuerwache zeigt: Hier wird eine besondere Künstlerin erwartet. Gut zwei Drittel der Besucher, vor allem die Jüngeren, dürften Hazel Brugger (HB) aus ihrer erfolgreichen Anfangszeit in der Slam-Poetry-Szene kennen. Die 25-Jährige erinnert selbst auch an ihre teilweise fulminanten Mannheimer Auftritte in diesem poetisch-komödiantischen Live-Genre, in dem sie 2013 Schweizer Meisterin wurde. Der etwas ältere Rest kennt die Wahl-Kölnerin vorrangig aus dem Fernsehen.

Mit ihren radikal-hintersinnigen Einsätzen als „Außenreporterin“ in der „heute-show“ des ZDF hat sie über Generationsgrenzen hinweg Kultstatus erlangt. Tatsächlich zählt sie neben so verschiedenen Comedy-Stars wie Carolin Kebekus, Martina Hill, Lutz van der Horst, Serdar Somuncu oder Christian Ehring zu den zentralen Bausteinen der seit 2009 erfolgreichen Satiresendung. Ohne die der onkelhafte Jon-Stewart-Aufguss von Moderator Oliver Welke schwer vermittelbar wäre.

Das sehr gemischte Publikum wärmt der zeitweilige Neckargemünder Thomas Spitzer zehn Minuten lang auf. Der „heute-show“-Autor und WG-Partner Bruggers spielt quasi das Versuchskaninchen, das Intelligenz, Begeisterungsvermögen und Schmerzgrenzen der Zuschauer auslotet. Denn die in den USA geborene Schweizerin hat sich nicht nur im ZDF den Ruf erworben, aus der Deckung ihrer mädchenhaften Fassade extrem bissig vorzugehen. Mitunter wie einst Harald Schmidt in guter Form und vor allem, wenn es um beziehungsweise gegen die politische Rechte geht.

Dabei spielt Hazel Brugger nie das HB-Frauchen, das wie ihr Kollege Gernot Hassknecht oder das altgediente Werbemännchen hyperventilierend an die Decke geht. Auch live trägt sie selbst ihre bösesten Pointen im unschuldigen Plauderton und mit der getragenen Ruhe vor, die man Eidgenossen gern zuschreibt. So erzählt sie charmant beiläufig, dass ihre Eltern allmählich in das Alter kämen, in dem sie bei jedem Besuch der Tochter „wieder etwas Neues nicht mehr können“. Im ZDF-„Fernsehgarten sollte sie sich nach Luke Mockridges schlagzeilenträchtigen Alte-Menschen-Witzen damit besser nicht blicken lassen.

Schweizer Perspektive

Sehr witzig ist ihr Blick aus der Perspektive der im reichen Zürich sozialisierten Ausländerin auf deutsche Phänomene. Banken mit Teppichboden („der Marmor Nordrhein-Westfalens“) zum Beispiel, in denen man für richtige Banken (wie in der Schweiz) üben kann. Oder Staus und das fehlende Tempolimit. Dadurch würden jeden Morgen ein Mercedes- und ein Audi-Fahrer auf der Autobahn per Kollision quasi geopfert, damit sich die anderen nicht zu Tode rasen können, weil sie wegen des Unfalls im Stau stehen. „Dafür hätten wir in der Schweiz gar nicht genug Menschen“, bemerkt sie dazu trocken. Dass die auch mimisch hochbegabte Brugger eine fast unpolitische Comedy-Show abliefert, fällt nicht ins Gewicht. Die ständigen Lacher und der stürmische Applaus zeigen, wie besonders der zweistündige Abend trotzdem war.

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