Kultur

Kunst Torsten Mitsch kombiniert in Mannheims Zeitraumexit freundlichen Witz mit strukturalen Elementen

Blauer Kinderdrachen mit Zähnen

Archivartikel

Corona machte auch der aktuellen Ausgabe der OFF//FOTO, der großen Fotoausstellungsrunde an un-üblichen Orten im Rhein-Neckar-Raum, fast vollständig den Garaus. Nur ein paar Online-Programme gab es, aber jetzt, seit dieser Woche, geht’s ganz vorsichtig wieder los. Einzelne Räume öffnen, zum Beispiel präsentiert Zeitraumexit im Mannheimer Jungbusch den Fotografen Torsten Mitsch mit ganz neuen Aufnahmen. 1974 in Ludwigshafen geboren, fotografiert der Künstler, seit er denken kann, mit zwölf hatte er seine erste Kleinbildkamera. Zumeist wurde er in Off-Spaces wie der Produzentengalerie PENG!, bei den Strümpfen im Jungbusch oder den Breidenbach Studios in Heidelberg gezeigt.

Boshafte Sperrmüllfunde

Mitschs analog aufgenommene Motive sind immer sehr ungewöhnlich: skurril, überraschend – und dann plötzlich richtig schön. Seine Streifzüge durch den Industrieort Mannheim haben immer wieder ganz neue Blicke auf Bekanntes zur Folge. Wie oft haben wir schon den Radkasten eines Autos gesehen, und bei Torsten Mitsch verstehen wir ihn dann überhaupt nicht mehr.

Der Ausstellungstitel „Meinzugs-gebiete“ bezieht sich auf eine Arbeit, in der am Rand „einzugsgebiete“ steht, abgeschnitten und so vollkommen unverständlich. Ganz zugänglich und fast boshaft witzig dann seine Sperrmüllfunde: ein blauer Kinderdrachen mit weißen Zähnen oder ein Plastikgerippe, das einen wunderbaren Totenkopfschatten wirft. Oder immer wieder erstaunliche, an den Konstruktivismus erinnernde Raumstrukturen, aber aus Altmaterial. Torsten Mitsch kombiniert häufig freundlichen Witz mit strukturalen Elementen: Gut zu sehen an einem Delfin, der von einer Ablage aus Glas durchschnitten zu werden scheint. Begeisternd dann auch seine ganz schwarzen Fotografien, die lyrisch und poetisch in die Nacht schauen.

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