Kultur

Jagoda Marinics Corona-Tagebuch

"Bleiben Sie gesund"

Liebes Corona-Tagebuch,
liebe Leserinnen und Leser,

ganz gleich, wie unsere Leben vorher waren, plötzlich haben wir viel gemeinsam: Wir sitzen zu Hause, wir erwarten gespannt die Nachrichten und beobachten hilflos, wie dieses verflixte Corona sich weltweit ausbreitet. Innerhalb weniger Tage stand unser Leben, bis auf das Nötigste, still. Das gilt nicht nur für Deutschland, es gilt bald für die ganze Welt.

Viele von uns arbeiten inzwischen Zuhause. Einige, die wir jetzt systemrelevant nennen, können das nicht. Sie machen in dieser schwierigen Zeit den härtesten Job: Sie behandeln die Erkrankten, halten Supermärkte am Laufen oder sorgen für Normalität in diesen unnormalen Zeiten, wie die Gesundheitsämter und Bäckereien. Wir anderen können nur helfen, indem wir nichts Unnötiges tun. Das klingt leicht, ist jedoch ungemein schwer, weil es das Leben, das wir lieben, aussetzt.

Ich glaube, fast jeder fragt sich gerade, was er tun kann, damit die Lage besser oder erträglicher wird. Auch eine Schriftstellerin fragt sich das. Kürzlich wurden besondere Fähigkeiten für Krisenzeiten abgefragt, und ich musste leider feststellen: Ich war nie bei der Feuerwehr, darf keine großen Autos fahren und werde so schnell vermutlich niemandem das Leben retten können – es sei denn, ich darf für einen Menschen in Not den Arzt rufen. Diese Hilflosigkeit macht demütig.

Und doch möchte ich auch als Schriftstellerin etwas tun: Ich möchte in dieser historischen Quarantänezeit mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ins Gespräch kommen. Ich freue mich, mit dieser Redaktion eine Corona-Partnerschaft eingegangen zu sein, die sich an alle Regeln des Social Distancing hält: Meine Texte erreichen die Redaktion digital. Ich spreche allein vor dem Mikrofon die Texte für Sie als Podcast ein.

Von heute an schreibe ich Ihnen jeden Tag Gedanken aus der Corona-Quarantäne. Sie können über die Portale dieser Zeitung natürlich gerne auch von Ihren erzählen. Wir sind nicht allein. Und wir können etwas tun, indem wir füreinander da sind, nicht aufhören uns einander mitzuteilen. Ich schreibe jeden Tag, nachdem ich den Podcast von Christian Drosten gehört habe. Ich will Sie schließlich nur mit dem Besten versorgen. Ich freue mich auf Sie.

Bleiben Sie gesund!

Jagoda Marinic

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