Kultur

Kabarett Jürgen Becker glänzt in ausverkaufter Klapsmühl’

Blick durchs Schlüsselloch mit Niveau

Archivartikel

„Volksbegehren“ – ist das nicht ein Instrument zur direkten Demokratie? Richtig! Jürgen Becker wäre freilich nicht der um die Ecke denkende, aber zielsicher treffende Kabarettist, wenn er dem Begehren des Volkes keine neuen und gleichzeitig uralten Seiten abgewinnen würde. Mit kühnen kulturgeschichtlichen Betrachtungen über Lust und Last des Liebeslebens samt Mythen der Fortpflanzung begeistert er in der ausverkauften Mannheimer Klapsmühl.

Der „Mitternachtsspitzen“-Moderator wagt sich auf ein Terrain, das „immer noch mit Tabus und Tretminen belegt ist“. Weil Blicke durchs Schlafzimmer-Schlüsselloch leicht unter die vielzitierte Gürtellinie rutschen, bedient sich der „dialektisch“ bekennende Kölner berühmter Kunstwerke, die über Pornoverdacht erhaben sind. So liefert ein Rembrandt-Stich über Liebe im Himmelbett eine Steilvorlage für die These, dass beim Sex der Verstand aussetzt: Anders lässt sich schließlich nicht erklären, dass eine Frau den auf ihr liegenden Mann mit drei Händen für sich vereinnahmt.

Vorteil dank Sexmuffeln

Schräg wie scharfzüngig leuchtet der 59-jährige Rheinländer Sexualität aus - mal durch Fortpflanzung legitimiert, dann wieder als reines Vergnügen praktiziert. Apostel Paulus, kommentiert der Katholik bei einem seiner biblischen Abstecher, hätte wohl nie geglaubt, dass die herbei gesehnte Überwindung von Geschlechtlichkeit eines fernen Tages gelingt – dank Conchita Wurst. Göttliche Eros-Geschichten hin, wunderbar eindeutig-zweideutige Fresken in der Sixtinischen Kapelle her: Es gab und gibt sie – Sexmuffel. Zum Vorteil der Menschheit, wie Becker ausführt. Nur gut, dass Xanthippe ihren Ehemann verschmähte, und Sokrates deshalb all seine Energie ins Denken ergoss!

Lustvoll startet Becker ein Volksbegehren für Liebesvielfalt. Der eine oder andere ach so lustige Witz sei ihm verziehen.