Kultur

Nachruf Dreifacher Grammy-Gewinner Kenny Rogers mit 81 Jahren gestorben / Duette mit Dolly Parton und Willie Nelson

Bodenständige Country-Ikone

In einem seiner berühmtesten Songs erklärte Kenny Rogers die Welt in Zocker-Bildern: „Man muss wissen, wann man die Karten besser auf der Hand hält, wann man passt, wann man weggeht – und wann man rennt“, sang der Country-Musiker mit dem weißen Bart und der rauchigen Stimme in „The Gambler“.

Nun hat er die Karten selbst aus der Hand gelegt: Rogers ist am Freitag mit 81 Jahren gestorben. Der Grammy-Gewinner ging friedlich und umgeben von seinen Liebsten, wie seine Familie mitteilte. Man plane „eine kleine private Abschiedsfeier“ in Zeiten der Corona-Krise. Später werde „ dann öffentlich gefeiert, mit Freunden und Fans“.

Die Karriere des Sängers von Hits wie „Love Or Something Like It“, „We’ve Got Tonight“, „The Gambler“ oder „Lucille“ umfasste sechs Jahrzehnte. In seiner Laufbahn, die ihn zu Duetten mit Ikonen wie Dolly Parton („Islands In The Stream“, „You Can’t Make Old Friends“) oder Willie Nelson („Blue Skies“) führte, verkaufte er mehr als 120 Millionen Alben. Im Oktober 2017 hatte er sich von der Bühne verabschiedet. „Man wartet nicht mit dem Ruhestand, bis die Menschen einen vergessen haben“, sagte er dem Magazin „Rolling Stone“. „Ich habe alles erreicht, was ich je erreichen wollte – es gibt nichts mehr, wonach ich streben könnte.“

Seine erste Single „That Crazy Feeling/We’ll Always Have Each Other“ hatte er 1957 veröffentlicht. 2013 wurde er in die „Country Music Hall of Fame“ aufgenommen. Grammys erhielt er 1977, 1979 und 1987. Hinzu kamen 19 Nominierungen für den wichtigsten Musikpreis.

Rogers, 1938 in Houston geboren, konnte nicht nur Country. Zwischendurch spielte er Jazz, Rock, Pop und Folk, schrieb Bücher, arbeitete als Schauspieler, Fotograf – und spielte mal professionell Tennis.

Er kehrte aber immer wieder zum Country zurück. Obwohl er kein „Rebell“ war wie Willie Nelson oder Waylon Jennings, so beschwor er nicht ausschließlich die konservative heile Welt, sondern nahm sich auch heikle Themen vor: Rassismus („Reuben James“), Vergewaltigung („Coward Of The County“) oder das Leid der Kriegsveteranen („Ruby Don’t Take Your Love To Town“).

Balladen und Gesellschaftskritik

„Ich habe immer nach zwei Arten von Songs gesucht: Balladen, die alles enthalten, was Männer sagen und Frauen hören wollen – und gesellschaftlich wichtige Songs.“ Trotz seiner großen Karriere wirkte Rogers nicht abgehoben – das kam an.

Das Lied seines Lebens, „The Gambler“, geht übrigens so weiter: „Jeder Spieler weiß, dass das Geheimnis des Überlebens darin liegt, zu wissen, was man ablegen muss und was man behalten muss. Denn jede Hand kann gewinnen und jede Hand kann verlieren. Und das beste, worauf man hoffen kann, ist, im Schlaf zu sterben.“ 

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