Kultur

Pop U2-Star sendet bei Kölner Konzert klare Botschaften

Bono erhebt seine Stimme

Archivartikel

Am Ende werden es in der Kölner Lanxess-Arena nicht nur 120 Minuten gewesen sein, die man nach dem jüngsten Stimmverlust inklusive Konzertabbruch in Berlin als eindrucksvolle Rückmeldung des U2-Frontmanns bezeichnen darf: Bono wird sich mit starken Botschaften in die Erinnerung der Fans im fast ausverkauften Haus festgekrallt haben. Zum einen, weil der Ire vom Klassiker („Beautiful Day“) bis hin zur Emotions-Ballade („Iris“) akustisch voll abliefert, um die Arena auf der im besten 1980er-Jahre-Stil illuminierten Rundbühne gemeinsam mit Gitarrist The Edge zu einer imposanten Großraum-Disco zu verwandeln, die von „Vertigo“ bis „Summer Of Love“ sämtliche Spielarten der musikalischen Dramaturgie stilsicher beherrscht.

Reizvolle Kontraste

Zum anderen aber auch und gerade, weil die moralischen Maximen des Frontmanns nicht beim erhobenen Zeigefinger enden, sondern zwischen Chaplins „Großem Diktator“ und syrischem Bürgerkrieg über die 30 Meter lange LED-Leinwand flackern, um das soziale Weltchaos zu kasteien – und gleichsam zu erklären. Dass Bono im Angesicht einer Selfie-Box selbst zu den digitalen Teufelshörnern greift, um klarzumachen, dass sich der Mephisto in uns – wie just in Chemnitz – genau dann am sichersten verbreitet, wenn er negiert wird, darf man gewiss als Überraschung bezeichnen, die zu dem großen Entertainment in reizvollem Kontrast steht. Ein wegweisender Abend.