Kultur

Schauspiel „Ahmed. Philosoph“ von Alain Badiou im Mannheimer Theater Felina-Areal

Botschaft an die Denkfaulen

Moralische Gewissheiten sind umstritten. Es gibt nun mal in unserem Gehirn keine feste Instanz, die mit absoluter Sicherheit ethische Entscheidungen treffen könnte. Auch auf diesem Gebiet verhalten wir uns wankelmütig. Der 1937 geborene französische Philosoph Alain Badiou, „unorthodoxer Kommunist“, unverdrossen in seinem Glauben an eine positive Veränderbarkeit der Welt, begreift diese Unberechenbarkeit offenbar als Chance. Vielleicht lässt sich ja, so scheint er zu denken, diese intellektuelle Offenheit auch für humane Ideen nutzen.

Grotesker Humor

Bodious Stück „Ahmed. Philosoph“, als deutschsprachige Erstaufführung im Mannheimer Theater Felina-Areal zu sehen, legt jedenfalls derartige Vermutungen nahe. Beschrieben werden Szenen, die um das alltägliche Leben Ahmeds kreisen. Der Sohn algerischer Einwanderer in Frankreich ist gesellschaftlich zwar integriert, aber das besagt wenig.

„Eintüten, abschicken, fertig!“ lautet noch immer die griffige Formel im Umgang mit jenen, die ihr „mobiles locker geführtes Leben auf den Ozeanen“ verlassen haben, um irgendwo zu sein, wo sie nach Ansicht der Einheimischen nicht hingehören. Entsprechend ist „Ahmed. Philosoph“ eine Farce voll grotesker Behauptungen über „geile Afrikaner“ und „Kanaken“.

Rainer Escher hat den Text übersetzt, inszeniert und den erfreulich vitalen Schauspielern (Elisabeth Auer, Hedwig Franke, Monika-Margret Steger und Sascha Koal) viel Raum gelassen für ihre rollenspezifischen, häufig unscharfen Selbstbetrachtungen und Einschätzungen. Amüsant ist das allemal, auch wenn der Besucher gelegentlich über das eigene Lachen erschrickt. Auf der Bühne sucht man nach Moral, findet sie aber nicht. Selbst der Verstand lässt manchmal zu wünschen übrig. Etwa, wenn die Abgeordnete Madame Pompestan (Elisabeth Auer) auf allen vieren über den Boden kriecht und auf ihrem Rücken den Philosophen Ahmed trägt.

Ihn spielt Sascha Koal, der kurz zuvor als schüchtern verklemmter Gutmensch die Revolution im sanften Denken erprobte. Jetzt als furchtloser Reitersmann, treibt er die Dame aus nobler Gesellschaft mit einem Stöckchen zur besseren politischen Gesinnung an. Leider wird das kein Sieg der Liebe zur Weisheit. Madame hält hartnäckig an ihren rassistischen Vorurteilen fest. Dass es Alternativen zu einer angeblich alternativlosen Gegenwart geben könnte, wie Badiou mit allerlei sprachlichen, dem absurden Theater entlehnten Spitzfindigkeiten zu beweisen versucht, bleibt ein Wunschtraum. Natürlich kennen wir die Gefahren ungeprüft übernommener Meinungen. Aber wir können nicht darauf verzichten, wie der Süchtige auf seine Droge.

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