Kultur

Heidelberger Frühling „Neuland.Lied“ mit Schumanniade

Briefe, Lieder, Küsse und Zigarren

Clara Schumann ist es nicht, die auf der Bühne in der Heidelberger Stadthalle auf einem grauen Sofa sitzt. Es ist die prominente (Film-)Schauspielerin Martina Gedeck – aber deren Frauentyp, Frisur und Kleid führen zur Annahme, dass Ähnlichkeiten mit verstorbenen Personen zweifellos gewollt sind. Zu Beginn von „Neuland.Lied“, einem der kleinen Binnenfestivals beim Heidelberger Frühling, findet eine Schumanniade statt. Als literarisch-musikalische Soiree, die insbesondere die gegen alle Widerstände hart erkämpfte, heiß ersehnte Eheschließung von Clara und Robert Schumann in den Blick nimmt. Sie erzählt von Überschwang und frühem Leid.

Hochklassige Instrumentalisten

Martina Gedeck liest aus Briefen Claras an den „guten“, „teuersten“, „innigst geliebten“ Robert. Und aus Briefen Roberts an das „gute Herzenskind“, die „Herzensbraut“, die manchmal auch zur „lieben Alten“ wird. Er wollte ihre Küsse, aber hin und wieder wollte er auch nur Zigarren. Gedeck lässt die Worte trotzdem sanft vibrieren. Mit den Musikern dieser Soiree führt sie auch kleine Interviews und übersetzt beflissen deren Antworten – es sind beileibe nicht nur Deutsche, die sich „Schumannianer“ nennen. Geigerin Tianwa Yang, aus Peking stammend und mit ihren Paganini-Interpretationen früh berühmt geworden, tut es jedenfalls. Und im g-Moll-Klaviertrio bleibt sie (mit Gabriel Schwabe und Nicholas Rimmer) den Beweis nicht schuldig.

Der erst 21 Jahre alte YouTube-Klarinettenstar Han Kim gesteht zwar, dass er Schumann „noch nicht ganz“ verstehe – aber spielen kann er ihn mit durchaus echter Sensibilität. Mit Perfektion ja ohnehin. Die Mezzosopranistin Anna Stéphany singt sonst meist in Opernhäusern, spricht davon, dass „jedes Lied auch eine kleine Oper“ sei – und klingt in Auszügen aus Schumanns „Myrthen“, seiner Brautgabe an Clara, auch bisweilen so. Aber sie weiß auch um das Ausgesetztsein, um die Tatsache, dass diese Lieder „Kunst ohne Kostüme und Make-up“ sein müssen. „Ist es eine typisch deutsche Kunst?“, fragt Gedeck. Sholto Kynoch, Pianist aus England, meint: „Darüber habe ich nie nachgedacht.“ Warum auch – die Soiree beweist, dass musikalische Romantik heute noch als Weltsprache verstanden werden kann.