Kultur

Porträt Die Mainzer Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs ist die künftige Vorsteherin im Börsenverein des Deutschen Buchhandels – und hat Pläne

Bücher als Impfstoff gegen Populismus

Archivartikel

Mehr Selbstbewusstsein in der Buchbranche wünscht sich Karin Schmidt-Friderichs. Die Mainzer Verlegerin übernimmt nach der Frankfurter Buchmesse den Vorsitz im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und löst den bisherigen Vorsteher Heinrich Riethmüller ab. „Ich wäre glücklich, wenn ich dazu beitragen könnte, den Reichtum und die kulturelle Vielfalt unserer Branche stärker ins Bewusstsein zu bringen“, sagte die 58-Jährige.

Dabei gehe es eigentlich nicht in erster Linie um die im Börsenverein zusammengeschlossenen Verleger, Buchhändler und Zwischenhändler. „Viel wichtiger sind Leserinnen und Leser.“ Ihnen sagt Schmidt-Friderichs: „Je mehr Sie lesen, umso differenzierter und pluralistischer wird Ihr Weltbild. Und jedes Sachbuch, das Sie lesen, macht Sie weniger empfänglich für populistische Äußerungen.“

Neuer Sachbuchpreis

Im nächsten Jahr, am 16. Juni, wird der Börsenverein dann zum ersten Mal auch den Deutschen Sachbuchpreis vergeben, für Sachbücher, die Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung geben. Die Zeit sei reif für einen solchen Preis, sagt die künftige Branchensprecherin. In der Flut der Neuerscheinungen sei es die Branche den Lesern schuldig, Impulse und Orientierung zu geben, Lust zu wecken, sie mit Buchbegeisterung anzustecken. Für den Börsenverein engagiert sich Schmidt-Friderichs seit 2003, zuerst in der Nachwuchsarbeit, von 2011 bis 2016 dann in der zeitweise von Schließung bedrohten Stiftung Buchkunst.

Der Wahl zur Börsenvereinsvorsteherin ging ein richtiger Wahlkampf mit dem Zwischenbuchhändler Stefan Könemann voraus; bei der Abstimmung erhielt sie 500 von 943 Stimmen.

Jetzt ist sie auf einer „Tour der offenen Ohren“ durch Deutschland unterwegs und spricht mit Händlern und Verlegern über deren Perspektiven auf die Buchwelt. „Das ergibt ein Puzzle, von dem ich noch nicht weiß, ob es rechteckig ist oder rund – aber ich habe jetzt langsam die Randteile.“ In der Arbeit für die Stiftung Buchkunst prägte Schmidt-Friderichs den Satz „Die Zukunft des Buches ist schön“. Das könnte auch das Programm des Verlags Hermann Schmidt für Grafik, Typographie und Design sein, den sie zusammen mit ihrem Mann in Mainz führt.

„Ich freue mich aber auch darauf, jetzt öfter in Frankfurt zu sein“, wo der Börsenverein seinen Sitz hat. „Hier passiert dauernd etwas Neues, dieses Brodelnde von Frankfurt ist sehr vitalisierend.“ Mit Orten ist das nicht anders wie mit Büchern: „Ich mag Diversität – es ist ein Reichtum, wenn wir Vielfalt haben.“ dpa

Zum Thema