Kultur

Bülent Ceylan: „Jede Form von Zuwendung hilft“

Archivartikel

Mannheim.Zum Start der „Mannheimer Morgen“-Benefizaktion „KulturGut. Wir helfen den Kreativen“ spricht Comedy-Star Bülent Ceylan über die existenziellen Folgen der Corona-Krise für viele seiner Künstlerkollegen und hofft auf Unterstützung.

Alle sind sich einig: Kultur ist enorm wichtig. Trotzdem herrscht seit März Alarmstufe Rot bei Künstlern, Theaterhäusern, ja der gesamten Veranstaltungsbranche. In der Pandemie gab es über Monate für viele keine Verdienstmöglichkeiten. Hier setzt die Hilfsaktion KulturGut an, die Bülent Ceylan mit diesem Interview unterstützt. Der Comedy-Star ist zwar selbst nicht existenziell betroffen und war bis Dienstagabend extrem beschäftigt mit der ProSieben-Show „The Masked Singer“ und anderen Projekten wie seinem Podcast. Trotzdem ist es ihm ein Anliegen, seine Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen.

Herr Ceylan, wie Sie im Interview im April sagten, müssen Sie sich trotz Corona-Krise und monatelangen Auftrittsverboten als einer der erfolgreichsten Comedy-Stars selbst keine Sorgen machen. Sie sorgen sich aber trotzdem um Kollegen und Mitarbeiter … und unterstützen Initiativen wie #Alarm-stufeRot oder KulturGut, das Hilfsprojekt dieser Redaktion. Warum ist das so wichtig?

Bülent Ceylan: Weil die Folgen der letzten Monate für ganz viele so schlimm sind. Mehr als eine Million Beschäftigte in allen Bereichen der Eventbranche haben riesengroße Existenznöte, sie kämpfen ums Überleben. Und leider ist ein Ende dieser Situation nicht in Sicht. Dies betrifft Gutverdiener der Branche wie mich natürlich auch, aber wir kommen ja zurecht. Es geht um viele noch nicht so prominente Künstler oder auch Techniker und die vielen Familien, die dahinter stehen. Die zu ernähren wird schwer, wenn sie über Monate nicht arbeiten dürfen. Da ist es mir natürlich ein Anliegen, zu helfen, so gut ich kann. Ich bin selbst Familienvater, und mir ist sehr bewusst, wie viel Glück wir haben, und ich bin sehr, sehr dankbar dafür. Ich habe ja selbst mal klein angefangen.

Vor fast auf den Tag genau 22 Jahren in der Mannheimer Opera Buffa, vielleicht 100 Meter weg vom Capitol, das sie heute in Minuten ausverkaufen … Die Einnahmen der Premiere von „Produzier’ mich net“ hätten vermutlich nicht mal für ein Mittagessen gereicht, oder?

Ceylan: (lacht) Genau! Da waren ein paar Leute, die gar nicht wussten, was der langhaarige Türk‘ da vorne von ihnen will …

Wie helfen Sie Ihren Kollegen?

Ceylan: Wir haben ja schon im April darüber gesprochen, dass ich mit einigen der Auftritte, die seit März möglich waren, auch meine Techniker unterstützen wollte. Wie Tobias Deuring, der im Mai in Viernheim ein Autokino und das Carwatch-Festival auf die Beine gestellt hat. Dort bin ich natürlich so oft aufgetreten, wie es ging. Dass da nur 300 Autos hingepasst haben, war egal. Mir hat das Spaß gemacht, zumal die Regeln immer mehr gelockert werden konnten, so dass die Zuschauer die Autofenster aufmachen oder auch rausgehen durften. Aber wichtig war mir auch, dass meine Jungs da wieder rauskamen und etwas tun konnten. Wenn ich mit Künstlerkollegen wie Caroline Kebekus, Luke Mockridge, Peter Maffay oder Die Ärzte die Aktionen wie #AlarmstufeRot unterstütze, kann ich auf die Situation in der Veranstaltungsbranche aufmerksam machen. Wir brauchen dafür jede Stimme, die uns unterstützt! Denn: Ohne uns bleibt‘s still!

Inwieweit helfen die Angebote der Bundesregierung an Gastronomie und Kultur – 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 klangen ja erstmal nicht schlecht, oder?

Ceylan: Das ist natürlich gut. Jedenfalls viel besser als nichts. Aber das kann ja die Verluste nicht ausgleichen, die seit Mitte März entstanden sind. Und in vielen Bundesländern haben die Soforthilfen bisher nicht gegriffen: Auf und hinter der Bühne gibt es ganz viele Soloselbstständige. Die haben keine Betriebsausgaben, zahlen keine Büromiete oder so etwas, sondern nur Verdienstausfälle. Von etwas leben und die Wohnung bezahlen müssen sie natürlich trotzdem. Und wenn man für die Anträge einen Steuerberater braucht – das kann sich nicht jeder leisten.

Bei der Aktion KulturGut können Leserinnen und Leser direkt eine Mannheimer Künstlerin oder einen Künstler ihrer Wahl unterstützen, die oder der Bedarf signalisiert hat. Was, glauben Sie, ist da am willkommensten – Geld oder zum Beispiel die verlässliche Buchung für kleine Privatauftritte ab Frühjahr?

Ceylan: Da kann ich nur für mich sprechen, und selbstverständlich ist jede Form von Zuwendung willkommen. Allein die Aufmerksamkeit hilft manchen vielleicht schon. Denn Kulturschaffende haben ja seit dem ersten Lockdown Mitte März das Gefühl vermittelt bekommen, viel weniger wichtig zu sein als Flugzeuge oder Autos. Das fühlt sich nicht gut an. Wenn ich Hilfe benötigen würde, würde ich dafür gern auch zeigen, was ich kann. Dann vergessen die Leute auch nicht, wie gut sich Live-Kultur anfühlt.

Wann rechnen Sie wieder mit gewohnt großen Live-Auftritten, jetzt wo Impfstoffe in Reichweite sind?

Ceylan: So schnell es möglich ist und es kein Gesundheitsrisiko gibt. Der Impfstoff macht natürlich Hoffnung, aber da weiß man jetzt ja noch nichts Konkretes. Aber unser Veranstalterteam tut alles, damit es dann sofort weitergeht. Das neue Programm „Luschtobjekt“ war super angelaufen. Dann kam die Vollbremsung, und wir mussten wahnsinnig viele Termine verschieben. Die Arbeit fürs Fernsehen und an Podcasts ist natürlich auch sehr schön, gerade jetzt. Aber wenn ich von der Bühne sehen kann, dass die Leute einen tollen Abend mit mir haben – das ist das Allerallerwichtigste für mich!

Im „Wellenbrecher“-Lockdown bot eine bunte Show wie „The Masked Singer“ vielen Zuschauern eine schöne Reise aus dem Alltag und löste regelrechtes Mitratefieber aus. Auch Sie wirkten als festes Mitglied des Rateteams extrem fasziniert.

Ceylan: Diese Show macht einfach total Spaß. Egal ob auf der Bühne, oder wie jetzt davor. Ich bin total stolz, ein fester Bestandteil der Sendung zu sein. Erst als Engel unter der Maske, dann der Gastauftritt in der zweiten Staffel und nun gemeinsam mit Sonja Zietlow im Rateteam.

Zum Thema