Kultur

Kabarett Django Asül amüsiert seine Zuhörer im Capitol köstlich

Bürgerwehr verulkt

Bei dem Namen Django fällt einem sofort der Kino-Westernheld ein. Django Asül galoppiert ebenfalls – quer durch die „Steppe“ von Stammtischparolen und Alltagsabsurditäten. Dabei schießt der Niederbayer mit türkischen Wurzeln in urigem Dialekt seine „Letzte Patrone“ (so der Programmtitel) locker aus der Hüfte und trifft zur Begeisterung des Publikums im Mannheimer Capitol zielsicher in Herz und Hirn. Unblutig versteht sich.

Als Profi spult der Kabarettist nicht einfach sein Solo ab. Der Mittvierziger gräbt für die auf ihren Autoerfinder stolzen Kurpfälzer einen gewissen Rolf Benz als mittleren Bruder von Karl Benz und Daimler Benz aus, sozusagen die PS-starke Variante der Söhne Mannheims.

Politisch unkorrekter Humor

Django Asül muss sich sputen: Denn während die Deutschen jährlich um einige Tage älter werden – altert er jedes Jahr um zwölf Monate. Und deshalb denkt der Kabarettist über Gott, einschließlich Zeus, und die Welt, insbesondere jener in dem längst legendären Dorf Hengersberg, laut nach und lässt auch seine Gesichtsmimik samt rollender Augen sprechen. Vor seiner Bühnenkarriere verdiente Ugur Bagislayici (so der bürgerliche Name) sein Geld als Bankkaufmann und Tennislehrer. Auf der Bühne hat er allerlei Jobs: beispielsweise als selbsternannter „Bürgerwehrer“, der mit riesiger Pfeffermühle („macht mehr her als Pfefferspray“) durch die Straßen patroulliert und mangels bedrohlicher Ereignisse dicken Kindern die Chips-Tüte aus der Hand haut.

Auch wenn das bayerische Mannsbild mit südländischem Aussehen während seines Pointen-Ritts zum Bierglas greift, so bekundet er mit seinem Cappuccino-Stammtisch Weitläufigkeit, wenngleich er die Welt in engen Grenzen interpretiert: Ob Balkanroute („arabischer Jakobsweg“), Kernphysik („Ich spucke meine Kirschkern ungespalten aus“), Migranten („Der Türke an sich ist ein feiner Kerl, ich war selbst mal einer“) oder Flüchtlingsbeauftragter – Django Asül kriegt es wunderbar unterhaltsam wie politisch unkorrekt hin, auf dem schmalen Grat zwischen süffisanten Beobachtungen und seichten Schenkelklopfern nicht abzurutschen. Das Publikum spendet reichlich Applaus.