Kultur

Bayreuther Festspiele Sänger kommt als Dirigent schlecht an

Buhrufe für Domingo

Archivartikel

Es sind ungewohnte Töne für den Starsänger: Plácido Domingo (Bild), einer der größten Stars der Klassik-Szene, wird bei den Bayreuther Festspielen von Teilen des Publikums ausgebuht. Zwar gibt es nach der „Walküre“ auch Applaus für den 77-jährigen Spanier – die Unmutsbekundungen aber sind deutlich zu hören. Zuvor hat er allerdings nicht etwa – wie 18 Jahre zuvor – den liebenden Zwillingsbruder Siegmund gesungen, sondern das Orchester geführt. Domingo ist seit Jahren auch als Dirigent tätig, in diesem Jahr steht er zum ersten Mal auf dem Grünen Hügel am Pult, wo er in den 1990er Jahren noch den „Parsifal“ sang.

Relikt des Castorf-„Rings“

Domingo führt weitgehend ruhig, solide und ohne großen Bombast durch den Teil zwei von Wagners Tetralogie. Ausgerechnet die große Arie „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ droht dem Maestro am Pult zu Beginn aber etwas zu entgleiten. Die Quittung dafür bekommt dann auch Tenor Stephen Gould als Siegmund von einigen Zuschauern. Auch er muss ein paar Buhs einstecken.

Die „Walküre“ ist ein Relikt, gewissermaßen ein Gruß von Frank Castorf, dessen hoch umstrittene Interpretation des „Ring des Nibelungen“ (Premiere 2013) die vergangenen Jahre in Bayreuth geprägt hat. Eigentlich hatte die Inszenierung schon ausgedient. Ungewöhnlich ist, dass überhaupt nur ein Teil des Gesamtkunstwerks in Bayreuth gespielt wird – vielleicht ja auch, weil die Produktion ein Gastspiel in Abu Dhabi haben wird.