Kultur

Kabarett Pufpaff begeistert im ausverkauften Capitol

Butterzart bis bitterböse

Archivartikel

Angespanntes Luftholen im Saal, das sich nach einigen Schrecksekunden in Lachen entlädt. Im ausverkauften Mannheimer Capitol lotet Sebastian Pufpaff Satire-Grenzen aus. „Wir nach…“ ist so schwarz wie das textile Markenzeichen des 43-jährigen – der dunkle Anzug. Pufpaff inszeniert sich als arrogant-schnöseliger Egomane, der als weißer männlicher Hetero mit Abitur die gesellschaftlichen Normen für Erfolg erfüllt. Obendrein beherrscht seine Solofigur „selektive Wahrnehmung“ – und die geht so: unangenehme Facetten des Seins ausblenden, stattdessen mit schönem Schein blenden! Schon geraten 14 im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlingskinder zur medialen Randnotiz – weil wir unsere „selektierte“ Betroffenheit einem spanischen Bub schenken, der zur gleichen Zeit in einem Brunnenschaft tödlich verunglückt ist.

Nicht nur in der „Heute Show“, auch auf der Bühne wagt der Spitzzüngige mit den gegelten Haaren Ritte auf der Rasierklinge: Wie weit müsse er als verbaler „Frauenmisshandler“ noch gehen, damit endlich die benachteiligte Weiblichkeit rebelliert , raunzt er Besucherinnen an. Ob als Experte für digital sedierte Zombies, als Hasser von Immobilienmaklern mit hochgestellten Polohemdkragen, als TV-Werber für Mikrofaserwäsche mit Streichelzwang – Pufpaff begeistert mit butterzarten bis bitterbösen Texten, hämischem Hähäha und mimischen Entgleisungen. Köstlich seine zeitverzögerten Kehrtvolten, die der ach so empathielosen Getränkeverkäuferin eine Sympathie-Metamorphose bescheren, den verhassten Eisbären als Klimawandel-Symbol doch nicht zum Abschuss freigeben.

Souverän nach Stimmungssturz

Seine Professionalität zeigt sich, als ein kollabierender Besucher aus dem Saal getragen werden muss. „Wehe, wenn jetzt einer mit dem Handy fotografiert!“ , ruft Pufpaff, wartet still ab, um danach mit sensibler Souveränität der abgestürzten Stimmung wieder Flügel zu verleihen. Auch dafür gibt es am Ende viel Applaus. 

Zum Thema