Kultur

Capitol-Chef „Das bringt uns gar nichts“

Das Urteil von Thorsten Riehle über das Konzept der Kulturminister der Länder zur Wiedereröffnung von Kulturspielstätten klingt wenig euphorisch: „Das bringt uns gar nichts“, sagt der Geschäftsführer des Mannheimer Capitols am Sonntag auf Nachfrage. Die angeführten Eckpunkte blieben einerseits viel zu unkonkret, was die genaue Umsetzung anginge. Andererseits seien „kleinformatige Darbietungen“ allenfalls für subventionierte oder kommunal getragene Bühnen praktikabel.

„Die Produktionskosten eines Abends im großen Saal des Capitols gehen bei 10 000 bis 13 000 Euro los – bei unseren selbstproduzierten Shows. Da haben wir aber noch keinen Euro verdient“, erklärt Riehle. Das bedeute: Wenn nur 20 Prozent von bei bestuhltem Betrieb 700, sonst rund 1000 Zuschauern zugelassen seien, wäre kein Normalbetrieb möglich – beziehungsweise die Kartenpreise müssten explodieren. „Wir überlegen allerdings, ob wir 50, 60 Zuschauer zu unserem Streaming-Abend „Rockt Zuhause“ mit Sascha Krebs einlassen – der Atmosphäre wegen.“ Ansonsten hat Riehle den Spielbetrieb seines Hauses – wie etwa das Nationaltheater oder das Theater Heidelberg – bis September eingestellt. „Ehrlich gesagt, rechne ich auch im Spätjahr nicht mit einer Wiedereröffnung.“ Großveranstaltungen seien außerhalb von Autokinos wohl erst wieder realistisch, wenn es einsatzfähige Medikamente gegen Covid-19 gäbe.

Das Capitol zählt wie die Frankfurter Batschkapp oder die Heidelberger Halle02 und ihr Chef Felix Grädler zu den Unterzeichnern eines am Freitag veröffentlichten bundesweiten Hilferufs von 30 privat geführten Live-Spielstätten. Sie bitten nach dem Motto „Als erste geschlossen, als letzte wieder geöffnet“um Hilfe, weil sie aufgrund der Pandemie-Beschränkungen auf absehbare Zeit ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllen können: Menschen zusammenzubringen. Durch die Corona-Krise gerieten die Spielstätten unverschuldet in Probleme – durch absehbare Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung und die weiterlaufenden Fixkosten.

Konkret fordern die Clubs „schnellstmöglich verlässliche Vorgaben, um zukünftige Risiken besser einschätzen zu können“: Umgestaltung der Kreditprogramme, Sicherung der Liquidität und Vermeidung der Bilanzüberschuldung, Fixkostenzuschuss durch einen weiteren Nothilfefond, Anpassung der Bedingungen für Kurzarbeit, ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz etwa auf Getränke oder Essen bei Konzerten, Investitionszuschüsse sowie den Ausschluss von Tanzveranstaltungen bei Vergnügungssteuer. 

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