Kultur

Haste Töne Julie André und Laurent Leroi geben Bordkonzert

Chansons erstklassig dargeboten

Archivartikel

Die traditionsreiche Konzertreihe Haste Töne schloss in diesem Jahr mit einem denkwürdigen Chanson-Abend. Julie André und Laurent Leroi elektrisierten auf dem voll besetzten Musenkahn ihr Publikum mit vielen populären Klassikern. Stilsicher und gekonnt verwandelten sie die alten Schätzchen ein ums andre Mal gelungen an. Den aufmerksamen Gästen war anzumerken, dass Andrés vitaler Vortrag in Lerois mitreißender Begleitung bestens ankam. So erklangen nächst Piafs gefeiertem „Padam“ auch Trenets „Je chante“, und „La mer“, wobei das Akkordeon so stimmungsvoll wie stimmig jeden Eindruck simpler Hintergrundmusik gelassen ad absurdum führte.

Spätestens mit Brassens’ elementarem Auvergnaten, den das Duo äußerst eigenwillig intonierte, war das Eis gebrochen. Doch auch Außenseiternummern wie „Le Tango Corse“ von Fernandel – hier wird der Trauermarsch Chopins zitiert – oder Gainsbourgs Baudelaire-Hommage „La noyée“, bekannt durch Carla Bruni, kamen nicht zu kurz.

Wohlvertraute Schmankerl

Beide haben Zirkus- beziehungsweise Straßenmusikantenhintergrund – Leroi hatte mit achtzehn sein musikalisches Debüt in den Mannheimer und Heidelberger Fußgängerzonen. Die Vollblutmusiker gaben in ihrer Tour durch die Chanson-Historie alles, um den wohlvertrauten Schmankerln neues Leben einzuhauchen. Einmal mehr gedachten sie der sinnverwirrenden Herz-Schmerz-Geschichten um Verliebtsein und Verlassenwerden, die von je die Seele des Chansons bewegen.

Nach der Pause stand – unglaublich eindrucksvoll in Andrés souverän die Sprachen wechselnder französisch-deutscher Fassung – Barbaras grandioses „Göttingen“ auf dem Programm, das selten so zwingend klang. Auch in Piafs „Sous le ciel de Paris“, Léo Ferrés beschwingtem „C’est si bon“ und immer wieder bei Charles Trenet kam das Akkordeon auf Hochtouren. Ob Mistinguett, Julie André höchstselbst, die ein ironisches Couplet zum Thema Sommerfrische beigesteuert hatte oder ein famoser Filmhit, dem die unvergleichliche Moreau in „Jules et Jim“ zu Glanz verholfen hatte – es war einfach alles da, das über Rang und Namen, Originalität und Witz verfügte.

Mit dem samtenen Timbre ihres warmen Alt gestaltete André ihr heikles Repertoire so makellos wie überzeugend. So sicherte sie sich die allgemeine Sympathie nicht weniger spontan als ihr rasant aufspielender Trabant, der mit genialem Schwung und Temperament die Herzen der Konzertbesucher wie ein Wirbelwind im Sturm eroberte. Einen gelungeneren Abschluss hätte sich die rundum gelungene Haste-Töne-Reihe kaum wünschen können.