Kultur

Kabarett Die „Teddy Show“ von Tedros Teclebrhan geht in der SAP Arena unter / Politisch unkorrekter Humor und Albernheiten

Chaos-Comedian erleidet Schiffbruch

Das Prinzip, mit dem der 34-jährige Eritreer Tedros Teclebrhan seine „Teddy Comedy“ zu einer Randdisziplin des Stand-Up erhob, verlangt innovativen Mut. Weg von den Fesseln eines starren Programms, das sich trotz aktueller Funkenflüge stets einer Botschaft verpflichtet, hin zu einem spontanen, rein durch den Augenblick inspirierten Moment des wilden, skurrilen Humors.

Schon als Schauspieler erntete er mit dieser Methode Aufmerksamkeit: Mit seinem albern choreographierten „Integrationstest“ landete Teclebrhan einen Youtube-Hit, der maßgeblich zur Entstehungsgeschichte von „Teddy’s Show“ auf den Fernsehschirmen der Nation beitrug. Wenn „Teddy“ seine Figuren nach „Was labersch du…?!“ mit „Ds passiert alles in dein Birne“ nun also endlich zu Kultstatus verhelfen will, ist das eine legitime Mission – die vor dünn besetzten Reihen in der Mannheimer SAP Arena jedoch an der eigenen Ratlosigkeit scheitert.

Und die ist in den trägen zwei Stunden vor abgehängten Oberrängen exorbitant. Mit Männerhandtasche und Rasta-Zöpfen tanzt der Protagonist des Abends als Guido lasziv über die Bühne, schwadroniert als Percy schwäbelnd von „Cotton Eye Joe“ und einem Fehltritt in die Bäckerei und Frau Müller, die lieber mit der Faust ausholt, statt den attraktiven Herrn von Welt zu küssen. „Ja, krass!“ lautet da die Antwort, die, obwohl dauernd wiederholt, dem simplen Stuss keinen Kultstatus verleihen kann.: In großen Teilen ist es geistiger Schrott, den Teclebrhan über seine wenigen tausend Gäste ausgießt.

Ausuferndes Mienenspiel

„Teddy“ wühlt sich in der Rolle des Ernst Riedler vom „Pokémon Go“ für Flüchtlinge über satirische VIP-Migrationsberatung („Isch hab de Heidi Klum glei gesagd, nimm ned den Seal!“) bis hin zum persönlichen Abschiebeservice durch die braunen Gefilde zeitgenössischer Geschmacklosigkeiten. Dabei reagiert er überhaupt nicht auf das Publikum, das sich mit dem Beifall sichtlich zurückhält.

Der ironisch-subversive Humor verpufft. Dabei könnte „Teddy“ damit glänzen, nach einer Stunde hinter dem weißen Vorhang eine bemerkenswerte fünfköpfige Liveband präsentieren zu können, die ihn musikalisch blendend trägt. Doch die Moderation von Antoine Burtz ist so stupide, dass noch nicht einmal Lionel Richies „All Night Long“ in Lohan Cohans epischer Interpretation die Stimmung aufhellen kann. Das Vorhaben eines Chaos-Comedians kollabiert vollends.

Das ausufernde Mienenspiel, das Tedros Teclebrhan der Kamera und den hilflosen Sicherheitskräften hautnah schenkt, trotzt den Gästen zwar den ein oder anderen Lacher ab. Aber wirklich gut ist an diesem Schauspiel nur sein Ende.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/kultur

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