Kultur

Burgfestspiele Jagsthausen Zur Uraufführung von „Laible und Frisch – Urlaubsreif“

Da geht’s drunter und drüber

Archivartikel

Unbestritten war die 2009/10 entstandene zwölfteilige SWR-Mundartserie „Laible und Frisch“ eine der erfolgreichsten ihrer Art, die unverständlicherweise keine Fortsetzung im Fernsehen gefunden hat. 2014 kam in der Stuttgarter Komödie im Marquardt das gleichnamige Theaterstück mit dem Untertitel „bühnenreif“ zur Uraufführung. Und schon damals zeigte sich, dass „fernsehtauglich“ noch lange nicht „bühnenreif“ bedeutet. Das hinderte aber den Drehbuchautor Sebastian Feld und den Produzenten Frieder Scheiffele nicht daran, drei Jahre später einen Film mit dem Titel „Laible und Frisch – Do goht dr Doig“ vorzulegen – immerhin noch mit vielen der bekannten Rollen und ihren Darstellern.

Doch nicht genug damit. Jetzt präsentieren die zwei ein „Open-Air-Theaterstück“ unter dem Titel „Laible und Frisch – urlaubsreif“. Die Uraufführung fand bei den Burgfestspielen Jagsthausen statt. Nach der rund eindreiviertelstündigen Vorstellung sei die Frage erlaubt: Wer ist denn da wirklich urlaubsreif? Das Aus für die Fortsetzung dieser Serie, in welcher Art auch immer, wäre durchaus sinnvoll. Und das nicht nur, weil von den ursprünglichen Rollen lediglich noch drei übrig geblieben sind, nämlich die Bäckersfrau Marga Laible, deren alkoholsüchtige Freundin, die Friseurin Uschi Stammer, sowie der Großbäcker Manfred Frisch. So werden denn mit dem „Markenzeichen“ einer erfolgreichen TV-Serie die Zuschauer angelockt. Dazu kommt, dass die ursprüngliche gesellschaftspolitische und sozialkritische Komponente der Geschichte überhaupt keine Rolle mehr spielt. Ging es doch einst darum, dass ein Großunternehmer aus Hamburg in das ländliche Schafferdingen kam und die dort zumindest noch in Ansätze vorhandene Idylle des Zusammenlebens und einer im Kleinen noch funktionierenden Wirtschaftswelt durch sein vornehmlich auf Expansion bedachtes, kapitalistisches Denken störte. In diesem Rahmen waren die gespannten persönlichen (Liebes)-Beziehungen passendes Beiwerk der Tragikomödie.

Jetzt hat Marga Laible bei einem Kreuzworträtsel ein Wochenende in einem Luxus-Burghotel gewonnen. Das verbringt sie zusammen mit ihrer Freundin Uschi Stammer. Die zwei gehen getrennte Wege. So begegnet Uschi dem Heiratsschwindler Francois Leger, und Marga trifft auf den Kriminalkommissar Norbert Ulmer, der dem vermeintlichen Franzosen auf der Spur ist. Und weil nicht nur eine Laible, sondern auch ein Frisch zur Rechtfertigung des Titels auftreten müssen, macht Manfred Frisch Urlaub in dem Hotel und vergnügt sich bei einem Seitensprung mit Kicki Krämer. Der Hotelbesitzer Fridolin von Blauenfest und James-Baptiste, ein Service-Androide, vervollständigen das Personal dieser schwankhaften Boulevardkomödie, in der es drunter und drüber geht und die – um „das schwäbischen Humorformat“, wie zu lesen ist, zu rechtfertigen – mit Kalauern angereichert ist. Zu allem Überfluss gibt es noch einen Rückblick ins Mittelalter und in die Geschichte des Luxus-Burghotels.

Eine Rezeption auf der linken Seite des Burghofs, hinter der Christian Bock mit Computerstimme als Service-Androide agiert, und etliche Schaumgummisessel auf der rechten, die nicht nur zum Sitzen, sondern auch zum Spielen als Art Stolpersteine für Hampelmänner dienen, das ist das Bühnenbild von Sabine Kohlstedt und Yvonne Marcour. Regie führt Eva Hosemann, die künftige Intendantin der Burgfestspiele Jagsthausen. Als Boulevardkomödie im Freien setzt sie die nicht besonders originelle Geschichte in Szene, wobei der wenig geistreiche Text den Eindruck billigen Sommertheaters, allenfalls zum Gaudium der Zuschauer, unterstreicht.

Als gewandter Charakterschauspieler, der auch mit dieser Vorlage noch etwas anzufangen weiß, entpuppt sich Simon Licht in der Rolle des Manfred Frisch. Ulrike Barthruff macht aus der Marga Laible, die durch ein Kreuzworträtsel wie die Jungfrau zum Kind zu dieser Geschichte gekommen ist, noch das Beste. Die Lacher auf ihrer Seite hat die beliebt-bekannte schwäbische Volksschauspielerin Monika Hirschle als Uschi Stammer bei ihrem nicht nur durch Alkohol bedingten Unglück auf der Suche nach dem Mann ihrer Träume.

Diesem hessischen Heiratsschwindler gibt Christopher Krieg nicht nur sprachlich den Anstrich eines französischen Charmeurs. Ein unterkühlter Kriminalkommissar mit Glut unter der Asche ist Ulrich Gall. Henning Karge als umtriebig-nervöser Hotelbesitzer versucht zu retten, was nicht zu retten ist.

Bei der sexy-offenherzigen Kicki Krämer der Luisa Meloni kann der Kostümbildner Volker Deutschmann sein Können unter Beweis stellen. Dieter Schnabel