Kultur

#MeToo Dirigent soll Sängerinnen „betatscht“ haben

Daniele Gatti muss gehen

Archivartikel

Wegen Beschuldigungen von sexueller Belästigung hat das weltberühmte Amsterdamer Concertgebouw-Orchester seinen Chefdirigenten Daniele Gatti entlassen. Das Orchester habe die Zusammenarbeit mit dem 56-jährigen Italiener „mit sofortiger Wirkung“ beendet, teilte es gestern mit. Mehrere Musikerinnen hätten über „unangemessenes“ Verhalten des Chefdirigenten geklagt. „Die Vertrauensbeziehung zwischen den Musikern und dem Chefdirigenten ist irreparabel beschädigt“, erklärte das Orchester.

Die Affäre war nach einem Artikel der „Washington Post“ vergangene Woche ins Rollen gekommen. Zwei Sängerinnen beschuldigten Gatti der sexuellen Belästigung. Die in der Zeitung zitierten Fälle geschahen demnach 1996 und 2000, lange bevor er Dirigent in Amsterdam wurde. Doch nach der Veröffentlichung hatten auch Amsterdamer Musikerinnen „Erfahrungen mit Gatti gemeldet, die angesichts seiner Stellung als Chefdirigent unpassend sind“.

Nach dem Bericht der „Washington Post“ hatte Gatti sich entschuldigt: „Wenn ich mich jemandem genähert habe, tat ich das immer in der völligen Überzeugung, dass das Interesse gegenseitig war.“ Sopranistin Alicia Berneche, damals 24, hatte dem Blatt gesagt, Gatti habe ihr 1996 in Chicago eine Übungsstunde angeboten. Als sie in seine Garderobe gekommen sei, um einen Termin zu vereinbaren, habe er sie betatscht und geküsst. Eine ähnliche Erfahrung machte Sopranistin Jeanne-Michèle Charbonnet nach eigenen Angaben später in Bologna. „Ich stieß ihn von mir und rannte aus dem Zimmer“, wurde sie zitiert.