Kultur

Kulturrätsel (Teil 4) Ein in der Region aufgewachsener Autor hat ein viel diskutiertes Buch geschrieben

Das Alphabet der Menschlichkeit

Es ist eine Beziehungsgeschichte, die hier erzählt wird, es ist auch eine Liebesgeschichte, aber natürlich keine ganz alltägliche. Sie könnte in unserer Region angesiedelt sein, manches deutet darauf hin, aber der Name der Stadt, in der das Buch zunächst spielt, wird nicht genannt. Zuvor entstandene Bücher hat der Schriftsteller hingegen eindeutig in dieser Region verortet.

Der in Heidelberg aufgewachsene Autor ist übrigens immer nur im Nebenberuf Schriftsteller gewesen. Der erste Roman, den er veröffentlicht hat, war auch noch ein Gemeinschaftsprodukt mit einem Fachkollegen. Er allein machte die Hauptfigur dann aber in zwei weiteren Büchern zum Thema. Alle drei eher kriminalistischen Romane hatten übrigens bei weitem nicht den Erfolg des hier gefragten Buchs, aber nicht mal deswegen, weil sie selbst auf wenig Leserinteresse stießen, sondern weil der andere Roman eben viel populärer wurde.

Vielleicht nähert man sich ihm und seinem Titel dennoch über einen Ort: Ein für die bundesrepublikanische Nachkriegsgeschichte wichtig gewordenes Ereignis in Frankfurt wird auch im Buch folgenreich. Es wird zum Ort einer überraschenden Wiederbegegnung. Für die Hauptfigur des Buches wirkt diese wie ein Schock, dabei hatte die Beziehung der zwei durchaus unterschiedlichen Personen früher einmal sehr unbeschwerte Seiten. Ein irritierendes Element war ihr freilich immer zu eigen, und die Hauptfigur bekannte sich nicht vor anderen zu der Freundin – und erst recht nicht vor den eigenen Eltern.

Die ehemalige Partnerin hat ein Defizit, das sie verheimlichen möchte und von dem auch der Erzähler lange nichts ahnte. Der Schriftsteller sah darin ein Bild für einen größeren, allgemeinen Zusammenhang, doch das haben viele Leser und Kritiker nicht nachvollziehen wollen. Die Wahrnehmung des Romans war auch von Missverständnissen geprägt. Manche meinten, der Zusammenhang hinter der Geschichte eigne sich nicht für solch eine Behandlung, andere urteilten schlicht, das Buch sei kitschig. Die allermeisten Leser sahen das aber anders.

Zum Thema