Kultur

Jazz Jimi Tenor und seine Band eröffnen das neue „Planet Ears“-Festival im Mannheimer Kulturzentrum Alte Feuerwache

Das Bewusstsein auf Reisen geschickt

„Mein Geist reist dorthin, wohin mein Körper nicht gehen kann“, singen Jimi Tenor und seine Bandkollegen. Diese lange (nein: epochale!) Cosmic-Jazz-Reise hört auf den Songnamen „My Mind Will Travel“ und ist voll von Klangwendungen, Rhythmik-Wirbeln, Melodie-Strudeln und psychedelischen Störfeuern, die das Stück in konzertierter Aktion Richtung „Unendlichkeit und viel weiter“ treiben.

„My Mind Will Travel“ markiert einen Höhepunkt von Tenors Auftritt in der Alten Feuerwache, bei dem der Multiinstrumentalist zugleich das neue Veranstaltungskonzept „Planet Ears – rethink international music!“ eröffnet, mit dem das Kulturzentrum und das Kulturamt der Stadt bis 22. September mit Konzerten und Gesprächen zum Thema Globale Musikkultur einen „Freiraum für weltweite Gegenwartskultur“ schaffen will. Sören Gerhold, Geschäftsführer der Feuerwache, und Thilo Eichhorn vom Kulturamt heißen die Besucher hierzu eingangs in der zum Club abgeteilten, dabei gut gefüllten Halle willkommen.

Glückliche Wahl

Tenor den Start der Reihe anzuvertrauen, ist eine glückliche Wahl – obwohl oder weil seine Stücke nicht immer leichte Zugänge bieten. Weil sie die Bereitschaft herausfordern, Ohren und Bewusstsein für andere Frequenzen zu öffnen. Das kann man toll finden oder als zu sperrig bewerten. Aber es lohnt sich, zuzuhören. Man ist dem finnischen Tausendsassa und multi-talentierten Musikschöpfer in den vergangenen 20 Jahren vom Avantgarde-Techno zum Jazz und nun zum Afrobeat gefolgt, wie er ihn in seinem jüngsten Album „Order of Nothingness“ in Noten gesetzt hat. Eingespielt hat Tenor das Werk unter anderem mit Schlagzeuger Ekow Alabi Savage, der ihm zusammen mit Richard Koch an der Trompete, Uli Kempendorff an Baritonsaxophon und Flöte sowie Jörg Hochapfel am Keyboard auch live zur Seite steht. Tenor selbst singt und spielt Tenorsaxophon, Querflöte und Tasteninstrumente.

Zumeist Liebeslieder

Wir hören versponnene, komplex gewobene Jazz-Kollagen, elaborierte, Funk-fiebernde Grooves und swingende Nummern mit muskulösen Bläsern (etwa: „Max Out“); Prince-Balladen- und entspannte Lounge-Momente, Pop-Melodien, Sound-Exkurse ins Weltall, Sprünge in krautig-psychedelische Dimensionen: Tenors Musik ist in der Tat eine kosmo(s)polititsche Angelegenheit. Im Grunde, sagt der mit feinem Humor gesegnete 54-Jährige, der auch eine Jazz-Version seines Techno-Hits „Take Me Baby“ bietet, seien die meisten seiner Stücke Liebeslieder – nur mit einem „Twist“, einer unerwarteten Wendung.

Nach dem knapp zweistündigen Konzert haben die Besucher noch Gelegenheit, im Feuerwachen-Café ein DJ-Set von Ubbo Gronewold und Tobi Kirsch (aka 2bfuzzy) zu erleben, die dieses Jahr die Kompilation „Two Tribes – An Intercontinental Journey in Rhythm“ veröffentlicht haben.

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