Kultur

Interview Raphaela Gromes lässt das Instrument mit seiner Wärme und Aussagekraft am Sonntag beim Wandelkonzert in Kloster Bronnbach erklingen

„Das Cello ist meine Stimme geworden“

Mit Raphaela Gromes ist am Sonntag, 13. Mai, eine trotz ihrer jungen Jahre grandiose Cellistin beim Wandelkonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele in Kloster Bronnbach zu hören. Die FN sprachen mit ihr über die Frische in der Musik, über eine temperamentvolle 25-Jährige, über die Erwartungshaltung der Musikwelt an sie und neue Projekte.

Frau Gromes, Sie sind in den Konzertsälen der Welt zu Hause. Jetzt spielen Sie im Kloster Bronnbach in einem Barocksaal. Wie fühlt sich das an?

Raphaela Gromes: Ich habe schon in verschiedenen Barocksälen gespielt. In diesem allerdings noch nicht. Daher weiß ich auch nicht, wie es sich anfühlen wird (lacht). Jeder Saal hat seinen ganz eigenen Charme und seine eigene Akustik, die sich dann auch noch mit dem Publikum ändert. Man weiß vorher nie, was auf einen zukommt, muss immer adaptieren bei der Anspielprobe, wenn man den Saal zum ersten Mal hört, sieht und fühlt. In Barocksälen passt klassische Musik wunderbar und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich mich dort sehr wohl fühle.

Sie und Ihr Konzertpartner Julian Riem werden die Cello-Sonate von Richard Strauss geben, den viele als Opernkomponisten kennen. Was wird die Zuhörer erwarten?

Gromes: Die Cellosonate ist ein Jugendwerk von Richard Strauss. Er ist ja später eher für seine symphonischen Dichtungen und Opern berühmt geworden. Am Anfang hat er aber auch viel Kammermusik komponiert, darunter auch die Sonate für Cello und Klavier. Weil es sich um ein frühes Jugendwerk handelt, ist es unglaublich frisch, temperamentvoll und mitreißend. Gleichzeitig war er beim Komponieren auch verliebt. Das hört man. Diese Gefühle sind wunderschön eingearbeitet in das Werk, das Julian und ich sehr lieben.

Welche Beziehung haben Sie persönlich zu dem Stück?

Gromes: Tatsächlich haben Julian und ich eine ganz besondere Beziehung zu dem Stück, weil wir uns vor sechs Jahren beim Richard-Strauss- Wettbewerb für Cello kennengelernt haben. Julian Riem war der offizielle Begleiter für diesen Wettbewerb. Unser erstes gemeinsames Konzert war dann das Preisträgerkonzert dieses Wettbewerbes beim Strauss- Festival in Garmisch Partenkirchen, natürlich stand hier auch die Cellosonate von Strauss auf dem Programm. Wir haben gleich gemerkt, dass wir wunderbar miteinander harmonieren und unser Zugang zu den Werken, zum Interpretieren, auch zur Kammermusik sehr ähnlich ist – so ist unser Duo entstanden. Durch die Strauss-Sonate haben wir also gewissermaßen zueinander gefunden. Ich freue mich, die Sonate jetzt wieder spielen zu dürfen.

Haben Sie das Stück ausgewählt?

Gromes: Ja, dadurch dass wir es so lieben und so eine lange Geschichte mit der Musik verbinden. Ich finde es schön, die Sonate bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen zu präsentieren, nachdem wir letztes Jahr ein italienisches Programm gespielt haben mit eher unbekannteren Werken.

Sie spielen seit Ihrem fünften Lebensjahr Cello. Was fasziniert Sie an diesem Instrument?

Gromes: Dass es so unglaublich facettenreich ist. Es hat die warmen tiefen Klangfarben, aber auch die ganz hohen Spitzentöne und kann genauso brillant sein wie eine Geige. Es hat einen unglaublichen Tonumfang, eine Wärme und Aussagekraft und vor allem kommt es der menschlichen Stimme am nächsten, wie Placido Domingo, ein Lieblingstenor von mir, einmal gesagt hat. Für mich ist das Cello meine Stimme geworden, mit der ich meine Gefühle ausdrücke und die Aussage des Komponisten transportieren kann.

Die Liebe zur Musik drückt sich auch in Ihrem temperamentvollen, virtuosen Spiel aus. Wie temperamentvoll sind Sie?

Gromes: (lacht) Das müssten Sie eigentlich meine Freunde fragen. Ich denke, ich bin eher ein temperamentvoller, manchmal auch anstrengender Mensch. Aber ich versuche, das zu kontrollieren und immer wieder Ruhepausen einzulegen.

Sie werden als hoffnungsvolle Cellistin und als „Gewinn für die Musikwelt“ gefeiert. Wie geht man als 25-jährige Künstlerin mit dieser Erwartungshaltung um?

Gromes: Ich versuche mich einfach ganz auf die Musik zu konzentrieren. Weniger darauf, was über mich gesagt und geschrieben wird, auch wenn es mich wahnsinnig freut. Ich versuche, den Fokus nicht zu verlieren, auf das was ich tue. Den Anspruch habe ich an mich selbst, seitdem ich mit 14 Jahren mit dem Jungstudium begonnen habe, an den Musikstücken zu arbeiten und zur Essenz der Musik zu gelangen. Diese entschlüsselte Botschaft, die im Musiktext steckt, herauszufinden und zu transportieren, ist das Ziel. Ich denke, die Arbeit mit den wundervollen Werken und die Arbeit an mir, die sich immer weiter entwickelt und in einem Prozess befindet, verhindert, dass ich zu viel Druck von außen verspüre.

In Bronnbach werden Sie das Wandelkonzert eröffnen. Wirft man danach einen Blick auf die anderen Musiker? Und können Sie auch die Region kennen lernen?

Gromes: Ja, wir haben uns den Tag frei genommen und freuen uns darauf, an dem wunderschönen Event teilnehmen zu dürfen. Meine Tante wohnt in Stuttgart, das heißt, wir waren schon in der Region, kennen uns schon etwas aus. Aber am Montag müssen wir weiter nach Köln.

Verraten Sie uns Ihre weiteren Pläne für dieses Jahr?

Gromes: Für mich steht dieses Jahr Rossini ganz oben. Wir werden auch im Programm in Bronnbach noch die „Figaro-Arie“ aus der Rossini-Oper „Der Barbier von Sevilla“ spielen. Er ist für mich wichtig, weil ich ein großer Opernfan bin und ich ihm einige meiner schönsten Musikerlebnisse in meiner Kindheit zu verdanken habe, Momente, in denen er mich sehr glücklich gemacht und mir sehr weitergeholfen hat in meinem Leben. 2018 ist ein großes Rossini-Jahr: Er ist vor 150 Jahren gestorben. Julian und ich haben dazu neben vielen Konzertprogrammen mit Rossini auch ein CD-Projekt: Eine Hommage an Rossini, für die wir einige Kammermusikstücke von ihm aufgenommen haben. Von Rossini weiß auch wie bei Strauss kaum jemand, dass er auch Kammermusik geschrieben hat. Und wir haben ein paar Stücke für Cello und Orchester ausgegraben über Themen von Rossini, etwa von Jacques Offenbach die „Hommage à Rossini“. Das ist eine Welt-Ersteinspielung. Nach diesem Stück ist auch die CD benannt, die im September erscheinen wird.