Kultur

Mozartfest Festival Strings Lucerne gastierten mit dem Solo-Englischhornist Dominik Wollenweber im Kaisersaal in Würzburg

Das Englischhorn und seine Melancholie

Grundsätzlich spielen die Festival Strings Lucerne ohne einen den Taktstock schwingenden Maestro, doch der Respekt vor dem ersten Auftritt beim Mozartfest Würzburg im Kaisersaal mit nicht einfachen akustischen Bedingungen brachte Konzertmeister Daniel Dodds bei zwei glanzvollen Auftritten mit Dominik Wollenweber, Solo-Englischhornist der Berliner Philharmoniker, dann doch ans Dirigentenpult.

Mit dem Konzert für Englischhorn und Orchester des lettischen Komponisten Peteris Vasks und der Tondichtung "Der Schwan von Tuonela" aus: Vier Legenden op.22 von Jean Sibelius standen zwei Werke für dieses in "F" gestimmte Instrument aus der Oboenfamilie auf dem Programm.

Umrahmt wurden diese von Mendelssohn Bartholdys Sinfonia für Streicher Nr. 9 C-Dur, der "Schweizer Sinfonie" des 13-jährigen Komponisten, der sich nachhaltig inspiriert fühlte, als er mit seiner Familie im Sommer 1822 zu den Pionieren des zarten Pflänzchen Tourismus in der beeindruckenden Schweizer Bergwelt gehörte.

Peteris Vasks hat sich bereits international mit seinen Instrumentalwerken einen Namen gemacht; sein Englischhorn-Konzert überraschte mit phantastischen Klangfarben und folkloristischen Elementen, nachdem sich das Orchester mit Bläsern und Percussionisten verstärkt hatte.

Dominik Wollenweber ließ mit dem Englischhorn phantastische Bilderwelten entstehen, die nach einem schwermütigen Solo immer undeutlicher wurden und im Nebel verschwanden. Bezeichnend sind zwei der vier ineinander verschmelzenden Sätze mit "Elegie" überschrieben. Rhythmische Elemente eines nachempfundenen Volkstanzes verflüchtigen sich im zweiten Satz in Improvisation und Melancholie: Dominik Wollenweber bringt es auf den Punkt: Der Englischhornist ist der Melancholiker vom Dienst, der alle zum Weinen bringt; niemals bekommt er etwas Lustiges oder Schnelles aufs Pult.

Dass dies zu verschmerzen ist, erlebte der Zuhörer, als der "Schwan von Tuonela" seine Schwingen ausfuhr. Jean Sibelius bediente sich der finnischen Mythologie, als er den Schwan als einziges Lebewesen im Land der Toten - der nebelumhüllten Insel Tuonela - lautlos über das Wasser eines Flusses gleiten und mit seinem Klageruf die gespenstische Stille durchbrechen lässt.

Komponiert hat der 1957 verstorbene Tonschöpfer, der die Sonnenuntergänge und den herbstlichen Schwingenschlag der wilden Schwäne liebte, die bis heute wohl einprägsamste Solopartie für das Englischhorn.

Mit zauberhaft-hellen Harfenklängen wird von der Hoffnung erzählt, dass sich der Nebel lichten und den Blick auf das jenseitige Paradies freigeben möge, doch setzt wieder die Dunkelheit ein, begleitet von den Klagen des Englischhorns. Momente, in denen dem Zuhörer der Atem stockte.

Drei Jahre vor seinem Tod komponierte Mozart die Sinfonie g-Moll KV 550, die vom Orchester facettenreich und in einem von Leid und Kampf geprägten Moll vorgetragen wurde. Schon im ersten Satz standen sich Piano- und Tutti-Forte-Gruppen dramatisch gegenüber. Innige, von pathetischem Ernst durchwirkte Gefühle bestimmten den zweiten Satz.

Das Menuett wirkte nicht tänzerisch-leicht, sondern war von eher wuchtigen Rhythmen geprägt, gemildert durch liebevoll tröstende Motive der Streicher. Die Sinfonie entstand nur vier Wochen nach dem Tod von Mozarts sechs Monate alter Tochter.

Doch das Orchester machte auch viele graziöse Wendungen mit tröstlichen Einschüben hörbar. Eine Gratwanderung zwischen schmerzlicher Resignation und tröstlicher Hoffnung trotz aller Klagen, die das inspiriert und leidenschaftlich spielende Orchester im Finale mal sanft und bittend, mal wild und heftig zu Gehör brachte. ferö