Kultur

Der neue Film Regisseur Juan Antonio Bayona spinnt mit „Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ die Sauriermär weiter

Das große Fressen

Archivartikel

Die vermeintlichen Verkaufsschlager schwächeln. „Solo: A Star Wars Story“ liegt etwa mit knapp 270 Millionen Dollar weltweitem Umsatz deutlich hinter den Erwartungen – da hilft es wenig, dass das „Star Wars“-Spin-off hierzulande wesentlich besser läuft als in allen anderen Schlüsselterritorien. Filme dieser Größenordnung müssen, um erfolgreich zu sein, gut eine Milliarde Dollar erwirtschaften – wie etwa „Avengers: Infinity War“, der kurz davorsteht, die Zwei-Milliarden-Dollar-Marke zu überspringen.

Nervosität in der Traumfabrik

Entsprechend nervös sind zurzeit die Studiogewaltigen in Hollywood. Sind die Zuschauer der Wiederkehr des Ewiggleichen überdrüssig geworden? Als Filmfan, als Cineast, kann man das nur hoffen. Andererseits braucht es diese Mega-Produktionen, um die US-Filmwirtschaft am Laufen zu halten. Nur wenn genügend Geld in den Kassen ist, werden auch kleine, anspruchsvolle Projekte realisiert, die auch Zuschauer ansprechen, die vom Kino mehr als nur Krawall im All erwarten.

Peinlich genau wird man in der Traumfabrik nun verfolgen, wie „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ sich schlägt – auch bezüglich der Zusammensetzung der Kinogänger. Sprich: Welche Zuschauerschichten werden angesprochen? Denn der Kopf hinter der „Jurassic“-Erfolgsmarke ist niemand geringerer als Steven Spielberg. Er darf für sich in Anspruch nehmen, das Independent-Kino des „New Hollywood“ zu Grabe getragen und das Event-Kino erfunden zu haben. Mit „Der weiße Hai“ durchbrach er 1975 als Erster die 100-Millionen-Dollar-Schallmauer, mit „Indiana Jones“ erfand er den Reihen-Helden neu und die Massen verzückte er mit dem Außerirdischen „E.T“, der nichts Anderes als „nach Hause“ will. Den vor der untergehenden Sonne übers Firmament radelnden Buben – den Knuddelalien sicher im Lenkerkorb verstaut – hat er clever zum Firmenlogo gemacht, sein Unternehmen nach seinem frühen Kurzfilm „Amblin“ getauft.

Grüne-blaue Farblichtspiele untermalt von Dolby-Digital-Urwaldgeräuschen hatten auf das Abenteuer eingestimmt, ein Vertreter der betreuenden Agentur hatte schnell noch ein paar Fotos von den zahlreich anwesenden Journalisten gemacht. Zu Beweiszwecken wohl für die Produzenten in Übersee – neben Spielberg unter anderem sein alter Weggefährte Frank Marshall („BFG: Big Friendly Giant“) sowie Colin Trevorrow, Regisseur von „Jurassic World“, hier neben Derek Connolly („Kong: Skull Island“) als Co-Autor fürs Drehbuch verantwortlich.

Drei Jahre sind vergangen, seit der Luxus-Themenpark Jurassic World von Dinosauriern zerstört wurde. Auf der Isla Nublar sind die Riesenechsen wieder Herrscher des Dschungels. Als der Inselvulkan zu brodeln beginnt, kehren Owen (Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard) zurück, um die letzten Saurier vor dem Aussterben zu bewahren. Die Rettungsaktion erweist sich als überaus gefährlich, da es auf dem Eiland bereits bei ihrer Ankunft Lava regnet. Während Owen verzweifelt versucht, den von ihm gezähmten Raptor Blue zu retten, kommen zwei andere Expeditionsmitglieder (Daniella Pineda und Justice Smith als prototypisches „seltsames Paar“) einer Verschwörung um illegalen Tierhandel auf die Spur, durch die die Erde in den lebensfeindlichen Urzeitzustand zurückkatapultiert werden könnte …

Mehr Tempo und Trubel

Juan Antonio Bayona („The Impossible – Nichts ist stärker als der Wille, zu überleben“), diesmal für die Inszenierung zuständig, steht der Sinn nach einem epischen Action-Overkill in 3D. Mehr, größere und bissigere Urtiere, Tempo, Trubel und Spektakel nonstop. Wie ein Wurm an einem Angelhaken wird ein Mensch zunächst von einem Monstersaurier von einer von einem Hubschrauber herabhängenden Leiter „heruntergefischt“ – und ähnlich geht’s weiter. Das große Schreien, Laufen und Fressen – wegen der FSK ab 12 Jahren nahezu unblutig – ist angesagt, Staunen und Verblüffung ob der sensationellen computergenerierten Effekte. Dazu Pratt als Dino-Flüsterer, Dallas Howard als sein taffes Herzblatt und der unverwüstliche Jeff Goldblum, der erneut als Wissenschaftler in der Rahmenhandlung vor Genmanipulation warnt. Das war’s. Ob das für den erhofften Hit taugt, bleibt abzuwarten.