Kultur

Festival des deutschen Films In der Reihe „Erkundungsreisen“ geht es auch um die jüngste Geschichte, wie in Felix Moellers „Sympathisanten. Unser Deutscher Herbst“

Das Kino als Spiegel der deutschen Vergangenheit

Archivartikel

Sympathisanten im Deutschen Herbst – wer waren sie? Was bewegte viele Deutsche, mit den Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) so stark zu sympathisieren, dass im Bundestag Debatten zur Frage des Umgangs mit ihnen abgehalten wurden? Waren sie Mittäter? Oder nur harmlose Ideologen?

Diesen Fragen geht Felix Moeller in seinem Film „Sympathisanten. Unser Deutscher Herbst“ auf den Grund, der beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am heutigen Samstag um 14.30 Uhr zum letzten Mal läuft. Rechtzeitig müsse man „anfangen, Zeitzeugen zu befragen“, schildert er seine Gedanken aus dem Off. In Gesprächen kommen neben seiner Mutter, die mit der RAF sympathisierende Schauspielerin und Regisseurin Magarethe von Trotta, und seinem Stiefvater, dem Regisseur Völker Schlöndorff, weitere Angehörige der mit der RAF sympathisierenden Szene zu Wort: so etwa Schauspieler/Sänger Marius Müller-Westernhagen, Schriftsteller Peter Schneider oder der über seinen Vater Heinrich sprechende René Böll. In den persönlichen Gesprächen schafft es Moeller eindrucksvoll, ein Bild seiner Interviewpartner zu kreieren, das die Zuschauer nachdenklich zurücklässt. Moeller führt sein Publikum mit Originaleinspielungen der Straßenkrawalle und Bundestagsdebatten mit Helmut Schmidt, Helmut Kohl oder Alfred Dregger (CDU) in die Hochzeiten des Deutschen Herbstes zurück. In eine Zeit, in der der Staat seinen Bürgern nicht mehr traute, Polizeirazzien bei der Suche nach den RAF-Terroristen quasi zur Tagesordnung gehörten – und Prominente mit den linken Terroristen zumindest stark sympathisierten.

Wer sich grundlegende, neue Fakten zum Deutschen Herbst erhofft, wird enttäuscht. Der Film lässt nur jene als „Sympathisanten“ Abgestempelten zu Wort kommen, die sich phasenweise selbst nicht mehr ganz sicher waren, ob sie sich noch nur als bloße Sympathisanten oder schon als Gehilfen betätigten. Hinterfragt wird ihr Handeln dabei kaum. Durch das Fehlen derer, die in dieser Zeit auf der konkurrierenden Seite, auf der des Staates agierten, fehlt die Ausgewogenheit bei der Beurteilung der Aussagen.

Diese muss der Zuschauer selbst vornehmen. Sehenswert ist der Film besonders aufgrund der dann doch teilweise selbst das eigene Handeln reflektierenden Schlussaussagen allemal. „Sympathisanten. Unser Deutscher Herbst“ ist Teil der Festivalkategorie „Erkundungsreisen“, in der der Veranstalter Filme zeigt, „die sich der Realität verschrieben haben“.

Am Samstagabend um 18.30 Uhr läuft unter diesem Motto auf dem Festival „Der Film verlässt das Kino: Vom Kübelkind-Experiment und anderen Utopien“. Robert Fischer führte Regie bei dem Dokumentarfilm, der eine „Rückkehr in die Zukunft des Kinos“ in die 1970er-Jahre zeigt. Der damals 25-jährige Regisseur Werner Herzog prophezeite, dass man eines Tages einen ganzen Film „zu Hause hat, auf einer Scheibe, und ihn so oft wie man will anschauen kann“. In dem auf der Berlinale erstmals gezeigten Streifen kommen Regisseure und Zeitzeugen zu Wort, die über den deutschen Film der 1970er-Jahre berichten.

Info: Dossier zum Filmfestival: morgenweb.de/fddf