Kultur

Jagoda Marinics Corona-Tagebuch (mit Audio)

Das Theater mit den Masken

Archivartikel

Liebes Corona-Tagebuch,

liebe Leserinnen und Leser,

gestern stand ich vor dem Drogeriemarkt, als ich ein junges Pärchen sah, wie es sich gegenseitig dabei half, die Maske aufzusetzen. Sie hatten, zugegeben, wenig alltagstaugliche Modelle: Ihre Masken musste man hinten am Kopf binden, so umständlich es war, zeigten die beiden, wie schnell Masken beim Einkaufen Normalität geworden sind.

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In der Parfümabteilung dann ein junger Mann, der seiner Frau ein Parfüm schenken will; er trug ein extrem extrovertiertes Modell, interessanter Stoff, dachte ich. Masken sind für manche inzwischen modische Statements, wie Hüte. Seine Maske passte zu seinem sonstigen Outfit und zu der Detailverliebtheit, mit der er ein Parfüm für seine Frau suchte. Ich habe daraufhin mein erstes Stoffmodell gekauft. Eine Art Zebra trage ich nun vor dem Mund. Es gefällt mir, nicht mehr wie die OP-Chirurgin durch Läden zu laufen, warum war mir das nicht früher aufgefallen?

Das Thema Masken ist eines der größten Corona-Themen, in sich fast tragisch. Wenn die Masken früher Pflicht gewesen wären, hätte man die Pandemie vielleicht verhindern können. Neueste Studien zeigen, wie erfolgreich selbst schlichte Baumwollmasken die Ausbreitung des Virus verhindern. Es liegen Recherchen darüber vor, dass die Ignoranz der WHO, aber auch des RKI, Leben gekostet haben könnte.

Ende Februar, Anfang März hieß es noch: Es fehlten Masken und Desinfektionsmittel, selbst in Krankenhäusern. Von Masken wurde abgeraten. Bei einer Tröpfcheninfektion ist das Tragen von Masken jedoch so naheliegend, dass man nicht einmal als Laie versteht, weshalb davon abgeraten wurde, wenn ein Grund für die Gefährlichkeit von Covid-19 seine schnelle Verbreitung ist.

Nun flammt die Diskussion wieder auf, ob man die Maskenpflicht beim Einkaufen aufheben sollte. Dabei sind 87 Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger dafür. In Bayern soll gar die Maskenpflicht bei Kulturevents fallen, weil es in den Gotteshäusern auch so ist, kündigte CSU-Kanzlerkandidat in spe Markus Söder an. Als lebten wir noch in Zeiten, in denen Entscheidungen getroffen werden, weil der liebe Gott es schon richten wird. Logisch ist das nicht, aber man kann ja immer noch eigenverantwortlich Masken tragen, nur schützt man dann paradoxerweise jene, die nicht ans Virus glauben.

Bleiben Sie gesund!

Jagoda Marinic

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