Kultur

Mainfranken Theater Intendant Markus Trabusch stellte Programm der Spielzeit 2018/19 vor / Bei der Oper liegt der Schwerpunkt auf deutschem Repertoire

Das Thema „Heimat“ steht im Fokus

Archivartikel

Am Puls der Zeit ist das Mainfranken Theater Würzburg mit dem Motto „Heimat“ für die jetzt vom Intendanten Markus Trabusch vorgestellte neuen Spielzeit 2018/19. Entschieden hatte man sich bei der Planung des Programms schon dafür bevor die Große Koalition das Trendwort aufgriff und im Bund ein Ministerium dafür vorsah.

Bayern hat es 2014 im „Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat“ angesiedelt; das bei weitem bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen führt den Begriff seit dem Vorjahr ganz vorne im Titel auf: „Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung.

„Heimat“ als neuer roter Faden

„Religion“ und Aufbruch, Umbruch, Neuanfang“ waren die roten Fäden der vorangegangenen beiden Spielzeiten, mit denen leitmotivisch alle Sparten miteinander verbunden waren. Markus Trabusch kündigte an, dass die Frage, was Heimat bedeutet, auch das Thema einer begleitenden Diskussions- und Vortragsreihe sein wird. Im Vorwort des passend mit zahlreichen historischen Postkarten aus Würzburgs Vergangenheit bebilderten Programmhefts zitiert Trabusch den israelisch-palästinensischen Autor Taher Nahjib: „Heimat ist da, wo ich mein Kopfkissen hinlege.“ Auf dem Cover ist eine Aufnahme der Domstraße vor der Bombardierung mit einem Poststempel aus New York im Februar 1914 abgebildet. Trabusch erwähnte noch, dass „Theatermacher letztlich immer noch die Nachfahren des fahrenden Volkes sind und häufige Ortswechsel bedingen, dass wir uns gezwungenermaßen immer wieder mit neuen Heimaten beschäftigen.“ Inzwischen sei er im dritten Jahr dabei, in Würzburg Wurzeln zu schlagen, bekannte Trabusch.

Deutsches Repertoire

Operndirektor Berthold Warnecke skizzierte kurz den Opernplan und hob als Neuproduktion Wagners „Götterdämmerung“ ab 26. Mai 2019 mit Unterstützung des Richard-Wagner-Verbandes Würzburg-Unterfranken besonders hervor. Mit diesem Werk werde nach den „Hugenotten“ von Meyerbeer und der „Sizilianischen Vesper“ von Verdi „die Reise durch die Geschichte der Grand Opéra abgeschlossen“.

Zu Beginn der Musiktheater-Saison kommt der Opernklassiker „La Bohème“ von Giacomo Puccini ab 13. Oktober 2018 zur Aufführung. Als Operette wird es „Die schöne Helena“ von Jacques Offenbach ab 2. Dezember 2018 geben Mit Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ ab 26. Januar 2019 und Humperdincks „Hänsel und Gretel“ ab 7. Juli 2019 wird künftig der Schwerpunkt stärker auf dem deutschen Repertoire liegen. Weitere Produktionen sind die Kinderoper „Siegfried, der kleine Drachentöter“ ab 24. März 2019 und zum Ende der Saison „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck ab 7. Juli 2019. Bis auf Wagners Werk liege, so Warnecke, „die Netto-Spielzeit“ ausnahmslos unter zwei Stunden“.

Bestens zum Spielzeit-Motto passt „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt mit der Premiere am 5. Oktober 2018. Schauspieldirektor Trabusch kündigte „Prinz Friedrich von Homburg“ von Heinrich von Kleist an, ein Werk, das Trabusch selbst inszeniert und die Entstehung der preußischen Nation begleitet (ab 16. Februar 2019).

Mit „Ronja Räubertochter“ ist ein Kinderbuch-Klassiker im Programm. Uraufführungen sind „Unsere blauen Augen“ von Teresa Dopler ab 12. Oktober 2018 und „Sisyphos auf Silvaner“ ab 4. April 2019) vom Leonhard-Frank-Stipendiaten Gerasimos Bekas.

„Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr hat am 29. November 2018 Premiere. Als Sommerstück im dann überdachten Innenhof des Würzburger Rathauses ist „The Black Rider“ von Tom Waits und William S. Burroughs ab 23. Mai 2019 geplant.

Neues Ballett-Ensemble

Mit der neuen Ballettdirektorin Dominique Dumais und einer neu zusammengestellten Ballettcompagnie geht es mit der Produktion „Chansons“ am 29. September 2018 in die neue Spielzeit. Es ist eine Adaption eines am Nationaltheater Mannheim uraufgeführten Stücks.

Präsentiert werden mit der neuen elfköpfigen Ballettcompagnie große Ensemblestücke mit Orchester, experimentelle Formate oder auch Themen- und Handlungsballette. Dumas und Kevin O’Day zeichnen für die Choreografien von „Ludwigs Leidenschaften - vier Mal Beethoven“ (ab 3. November 2018) verantwortlich, während sich im „TanzXperiment“ ab 10. Januar 2019 die Tänzer mit eigenen Choreografien vorstellen.

Eine spartenübergreifende Produktion mit Ballett, Musiktheater und Schauspiel wird „King Arthur“ von Henry Purcell ab 30. März 2019.

Sechs Sinfoniekonzerte

Generalmusikdirektor Enrico Calesso stellte die Aktivitäten des Philharmonischen Orchesters mit einer eigenen Broschüre vor. Sechs Sinfoniekonzerte an jeweils zwei Abenden beginnen am 18./19. Oktober 2018 und enden am 11./12. April 2019. Im Toscanasaal der Würzburger Residenz stehen sieben Kammerkonzerte vom 28. Oktober 2018 bis zum 12. Mai 2019 auf dem Programm. Weitere Konzertevents sind das vom SWR live übertragene Abschlusskonzert von Debut 2018 in der Wandelhalle Bad Mergentheim am 29. September 2018, ein Weihnachtskonzert am 14. Dezember 2018, drei Konzerte zum Jahreswechsel, „Carmina Burana“ mit Würzburgs Chören am 27. April 2019, eine Nachtmusik zum Mozartfest am 22. Juni 2019, die „Italienische Nacht“ am 12. und 13. Juli 2019 sowie das Hafensommer-Konzert am 19. Juli 2019.

Sanierung während der Spielzeit

Nach der aktuellen Spielzeit beginnt die umfassende Sanierung des Theaters, wobei Markus Trabusch betonte, dass während der gesamten Spielzeit das Große Haus und die Kammer für die Aufführungen zur Verfügung stehen.

Lediglich der Zugang wird zunehmend von der Ludwigstraße erfolgen, wobei das bisherige Foyer abgerissen wird, um Platz für einen zweigeschossigen Vorbau mit einer Spielstätte von über 300 Plätzen, einem neuen Kassen- und Eingangsbereich, Gastronomie und Proberaum für das Ballett zu schaffen. Erst nach der Fertigstellung 2020 wird dann das Große Haus saniert. ferö