Kultur

Kabarett Lutz von Rosenberg Lipinsky in der Klapsmühl’

Demokratie als seltsames Spiel

Archivartikel

Mit der „Alle Macht dem Volk“-Staatsform ist es so eine Sache, sinniert Lutz von Rosenberg Lipinsky in seinem Sologrogramm „Demokratur“: Zwar kann der Bürger wählen, „er darf aber nicht wählerisch sein“. In der mäßig gefüllten Mannheimer Klapsmühl‘ tut sich der gebürtige Ostwestfale anfänglich schwer, das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen – was der Mittfünfziger gelassen nimmt: Als Wahl-Hamburger wisse er, dass freundlicher Applaus durchaus einer Ovation gleichkommen könne.

Der Kabarettist schafft es im Laufe des Abends gleichwohl, reichlich Beifall einzuheimsen: Ob es um das Volk geht („entscheidet die Minderheit, wenn die Mehrheit schweigt?“ ) oder Absonderlichkeiten („ Antidemokraten werden demokratisch gewählt“) karikiert werden. Auch wenn der zwischen Friedensbewegung und Pril-Blumen aufgewachsene Kabarettist unser Polit-System süffisant durchhechelt, spüren die Zuschauer: Da lästert ein überzeugter Demokrat. Und dieser macht nicht nur, aber vorwiegend Parolen der AfD lächerlich – auch wenn ihm dabei wenig zum Lachen ist.

Viele Themen aufgegriffen

Angesichts eines „von“ im Namen verwundert nicht, dass der Mann auf dem Hocker die Monarchie als „Sonntag“ der Gesellschaftsformen adelt, während sich die Demokratie, wie er anmerkt, mit dem Montag als unbeliebter Auftakt der Arbeitswoche herumschlagen müsse. Bekanntlich steht Politik für all das, was die Gemeinschaft betrifft.

In diesem Sinne greift der Bühnenakteur viele Themen auf und taucht dabei auch in die Untiefen von Bildungslücken ab, wo schon mal Amazon verbal im Amazonas baden geht. Klar, dass immer wieder der Musik-Kabarettist aufblitzt – mit einer etwas anderen Schlagerparade, bei der beispielsweise jene besungen werden , die „ahnungslos an der Macht sind“ (umgeswitchter Helene-Fischer-Hit). Dass „die Demokratie als seltsames Spiel“ rüberkommt (geklaut von Connie Francis) – dies kommt bestens an.

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