Kultur

Mozartfest Musikalisches Cross-over mit „Uwaga“ im Hofkeller der Residenz begeisterte das Publikum restlos

Den Balkan-Groove aus Mozart gekitzelt

Mozart hätte seine wahre Freude daran gehabt: So wie ihm der Schalk stets im Nacken saß, so sprühen auch die vier Musiker von Uwaga beim Mozartfest vor Begeisterung. Im Staatlichen Hofkeller der Würzburger Residenz lassen sie das Publikum an ihrem Programm „Mozartovic“ mit so manchen musikalischen „Eskapaden“ teilhaben. Und das hatte dabei mächtig Spaß.

Das Quartett mit Christoph König (Geige), Maurice Maurer (Geige), Miroslav Nisic (Akkordeon) und Matthias Hacker (Kontrabass) weiß, wie es seine Zuhörer fesselt. Schon bei den ersten Tönen ist der Funke übergesprungen. Das leicht schummrige Licht im mit 400 Kerzen und ein paar Scheinwerfern erhellten Gewölbekeller trägt seinen Teil dazu bei. Bei der Mozartschen Violinen-Sonate, „gewürzt“ mit einer starken Prise Balkon-Groove, wippen Füße und Köpfe sofort mit.

Unverwechselbarer Sound

Uwaga haben einen unverwechselbaren Sound: Klassische Werke werden gepaart mit modernen Grooves und Beats. So trifft Mozarts Violinkonzert auf „No woman, no cry“ und den Reggae Bob Marleys. Oder das rockige „Return to sender“ von Elvis vermischt sich mit dem Kyrie aus der „Großen Messe c-Moll“. Da geht schon mal ein Raunen durch das Publikum, das sich diese Mixtur nun gar nicht vorstellen kann. Am Ende sind alle restlos begeistert und überzeugt, dass Mozarts Musik schon den Groove in sich trägt und der nur herausgekitzelt werden muss.

Die vier Musiker, jeder für sich überragend an seinem Instrument, zünden bei ihrer virtuosen Darbietung ein wahres Feuerwerk an Ideen. In einer atemberaubenden Geschwindigkeit fliegen die Bögen wie Derwische über die Saiten von Geige und Bass und breiten mit schnellen Läufen einen typischen serbisch oder türkisch angehauchten Balkanklang im Raum aus. Da hat man fast den Eindruck, ein ganzes Orchester vor sich zu haben, wenn das Akkordeon den Klang der Holzbläser übernimmt, oder gar als Percussion dient. Nisic lässt die Finger über die Tasten fliegen. Die Geige wird kurzerhand zur Gitarre umfunktioniert und verfeinert den Sound. Eruptive Spielfreude wie bei einem Vulkanausbruch folgt bei „Alla Turca“.

Frech und nassforsch

Uwaga, das polnische Wort für Achtung, machen ihrem Namen alle Ehre. Frech und nassforscht reisen sie cross-over durch die Musikgeschichte, wirbeln durch alle Stilrichtungen und machen auch vor Mozarts Klavierkonzerten oder Tschaikowskys „Nussknackersuite“ nicht halt, die sie eigenwillig, aber unwiderstehlich mit dem gehörigen Schuss Improvisation kredenzen. Perfekt im Zusammenspiel, bissig und gleichzeitig virtuos mitreißend: Das Publikum beim Mozartfest hat Uwaga sofort in den Bann gezogen.

Und die Zuhörer wollen mehr, versperren nach langem Applaus dem Quartett im wahrsten Sinne des Wortes den „Fluchtweg von der Bühne“. Zwei Zugaben haben die vier denn auch parat: „Killing in the name of Bergkönig“, bei dem Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ aus der „Peer Gynt Suite“ herhalten muss, und „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem.

Ein grandioses musikalisches Menü, das von vier exzellenten Weinen des Staatlichen Hofkellers und den lockeren Anekdoten von Weinfachmann Mathias Krönert prickelnd und perlig umspielt wird. Wolfgang Amadé Mozart hätte sich an diesem Abend prächtig amüsiert.