Kultur

Philharmonisches Orchester Würzburg Erstes Rathauskonzert führte zu einem neuen Hörerlebnis / Pointierte und präzise Interpretationen

Den Taktstock statt langer Reden geschwungen

Archivartikel

Schon zwei Tage zuvor bekam die Vorfreude auf eine spätsommerliche Open-Air-Serenade im Würzburger Rathaushof mit Ausschnitten aus Tschaikowskis großen Ballettmusiken einen argen Dämpfer: Wegen der angekündigten schlechten Wetterlage musste GMD Enrico Calesso am Samstag um 17 Uhr mit seinem Philharmonischen Orchester mit dem Ratssaal und rund 150 Zuhörern vorliebnehmen. Doch es blieb draußen spätsommerlich warm, die Würzburger bevölkerten reichlich die Alte Mainbrücke, genossen ihr Glas Frankenwein und flanierten auf der Uferpromenade. Zu tröpfeln begann es erst eine Dreiviertelstunde nach den letzten Takten der "Linzer Sinfonie" von Wolfgang Amadé Mozart, der zum Auftakt einer von Enrico Calesso ins Leben gerufenen Rathaus-Konzertreihe noch seine "Kleine Nachtmusik" beisteuerte. Nach Calesso waren im alten Griechenland Bürger und Politiker eins; mit Johannes Engels, der in das knapp einstündige Programm einführte, kündigte er ein neues Hörerlebnis an.

Das Wesentliche der Ausgrabung einer neuen - und doch alten - Spielstätte, zu der Intendant Markus Trabusch mit dem Schauspiel "Terror" den Weg geebnet hatte, wurde rasch sicht- und hörbar, wobei ein Vergleich - zumindest in akustischer Hinsicht - nicht zu weit hergeholt ist: Wie im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie, der neuen Wallfahrtsstätte der Musikszene, sitzen die Musiker quasi auf dem Präsentierteller. In Hamburg sind es die individuell gefertigte, sündhaft teure Gipsplatten, in Würzburg ist es einfacher Gipsputz mit Kreidegrund, der den Nachhall kürzer als gewöhnlich macht, aber auch keine Fehler verzeiht, wie dann zu hören war.

Wenn Intelligenz klingen könnte

Eigentlich war der Ratssaal als Spielstätte längst bekannt, denn Johannes Engels hat dort Starsopranistin Diana Damrau zu Beginn ihrer Weltkarriere erlebt. Er verwies auf eine Szene des Monumentalgemäldes von Wolfgang Lenz im Saal. Sie zeigt Hermann Zilcher als Dirigent bei der Eröffnung des Mozartfestes, begleitet vom Namensgeber, der - am Hammerklavier im Schatten sitzend - nur nach den Umrissen zu erahnen ist. Mozarts 1787 in Wien komponierte "Kleine Nachtmusik" ist aufgrund ihrer weltweiten Popularität und als "Ohrwurm" heute kaum noch unbefangen zu genießen. Dabei hat es der Würzburger Mozart-Kenner Ulrich Konrad in der "Zeit" einmal auf den Punkt gebracht: "Wenn Intelligenz klingen könnte, dann so wie in der Kleinen Nachtmusik."

Nach der Beschreibung des Komponisten hatte das Stück eigentlich fünf Sätze, aber das als zweiter Satz vorgesehene Menuett ist verschollen. Frisch zupackend gaben die Streicher den Abnutzungseffekten keinerlei Nahrung und machten federnd und spritzig hörbar, wie genial mit drei oder vier Harmonien ein ganzer Satz dieses formvollendeten Werks gestaltet werden kann. Pointiert und präzise interpretiert wurde dann Mozarts Sinfonie C-Dur KV 425, die "Linzer Sinfonie"; ein Wunderwerk, das Mozart in 96 Stunden aus dem Ärmel schüttelte. Voll ausschöpfen konnten die Philharmoniker den liedhaften, pastoralen, später auch fast dramatischen Charakter des Mittelsatzes. Rustikal und fast derb klangen punktierte Marschrhythmen, die das Menuetto einleiteten.

Die abwechslungsreichen Eintrübungen des Schlusssatzes, der zunächst mit Pianothemen der Streicher begann, wurden sehr prägnant vom Ensemble herausgearbeitet.