Kultur

Show „Hundeprofi“ Martin Rütter gastierte am Samstag mit seinem neuen Programm „Freispruch!“ vor 3000 Menschen in der Würzburger s. Oliver Arena

„Der am Horizont könnte unserer sein“

Wenn rund um die Würzburger s. Oliver Arena der Verkehr zusammenbricht, dann kann Martin Rütter nicht weit sein. Und er war da – und wie. „Freispruch!“ heißt sein neues Programm, mit dem er mindestens bis März 2020 auf Tournee sein wird. In Buchen fand Ende letzten Jahres eine der Vorpremieren statt.

Kult und Kernkompetenz

Die Trucks auf dem Platz vor der Arena lassen ahnen, dass hier nicht nur einer am Rednerpult stehen und über das Zusammenleben von Mensch und Hund referieren wird. Rütter-Shows sind richtige Events, die auch in schöner Regelmäßigkeit fürs Fernsehen und für DVDs aufgezeichnet werden. Martin Rütter ist so was wie Kult unter den Hundeliebhabern. Er selbst nennt sich grinsend die „Kernkompetenz Deutschlands in Sachen Hundeerziehung“. Ganz wichtig: Der Spaß darf bei ihm nicht zu kurz kommen. Das gilt für seine Methodik genauso wie für seine Shows.

Das Publikum in der fast ausverkauften Arena ist bunt gemischt – Frauen überwiegen. Längst hat sich „der Rütter“, wie er sich des öfteren bezeichnet, zu einer Art Star entwickelt. Einem Star jedoch, dem sein Ruhm zum Glück nicht zu Kopf gestiegen ist. Dazu hat er auch gar keine Zeit. Schließlich steht er „ganz nebenbei“ regelmäßig für seine Vox-Sendung „Der Hundeprofi“ vor der Kamera, schreibt Bücher und ist – wie auch jetzt – ständig unterwegs.

Am Samstag also Würzburg. In seiner Show „Freispruch!“ schlüpft Rütter in die Rolle des Anwalts. Seine Klienten heißen unter anderem Kira, Buddy oder Luna. Alle haben was verbockt. Sie tyrannisieren den Postboten („Da ist Achterbahn in der Bude“), betteln am Tisch („Kuck mal, wie ich kuck!“) oder wildern im Affekt. Doch am Ende landet keiner der Sünder im Tierheim, sondern bekommt Freispruch. Warum? Das liegt nicht nur an ihrem guten Anwalt, sondern auch daran, dass sie gar keine Schuld tragen. Denn schuld ist ihr Mensch. Kein Hund kommt bekanntlich bereits als „Problemhund“ auf die Welt.

So witzig seine Show auch ist, so wahr und prägnant sind seine Sätze. Etwa: „Der Hund muss wissen, was du willst – du selbst aber auch!“ oder „Die Leute haben verlernt, ihre Hunde zu beobachten“. Rütter appelliert daran, die Körpersprache des Vierbeiners genau zu studieren. Unerwünschtes Verhalten kündigt ein Hund mit seinem Körper an.

Und – ganz wichtig – Schwanzwedeln bedeutet bei einem Hund nicht immer nur Freude, auf das „Wie“ kommt es an. Rütter wäre jedoch nicht Rütter, würde er dieses Thema sehr zur Freude des Publikums nicht auch gleich noch anders „verwerten“. An anderer Stelle gibt er ganz ehrlich zu, dass selbst er noch immer nicht perfekt ist: „Wenn meine Hunde zum Jagen abhauen, dann kann sich auch der feine Herr Rütter einen Klappstuhl nehmen und warten.“

Einen Klappstuhl braucht er in Würzburg jedoch nicht. Seine Show – mit einer überdimensional großen Justitia-Figur auf der Bühne – ist bis ins kleinste Detail ausgeklügelt. Wie viel Arbeit dahintersteckt, kann man nur erahnen. Allein schon seine Mimik ist das Kommen wert. Zwei LED-Wände sorgen dafür, dass man auch in den hinteren Reihen und auf den oberen Rängen das Gesicht des „Hundeprofis“ genau studieren kann.

Ganz stark ist sein Ausflug in die Pubertät. Dabei spannt er den Bogen vom heranwachsenden Welpen zum Flüggewerden seines ältesten Sohnes Marvin. Wenn er als leidgeprüfter Vater berichtet, wie sich der mittlerweile 19-Jährige in der Pubertät „geistig zu einer Amöbe zurück entwickelte“, wie er sich plötzlich weigerte, seine ,Bob der Baumeister‘-Unterhosen anzuziehen, macht der Applaus deutlich: Hier gibt es viele Leidensgenossen in der Halle.

Auf den Hund bezogen heißt das laut Rütter: „Das sicherste Zeichen, dass dein Hund sich in der Pubertät befindet, ist, dass alle Kommandos gelöscht sind“. Der Radius des ehemals niedlichen Welpen, der einem auf Schritt und Tritt folgte, wird auf einmal immens groß. Oder, Zitat Martin Rütter: „Der am Horizont könnte unserer sein.“ Sehr witzig auch sein „Dialog“ mit der 14-Jährigen in der ersten Reihe. „Weißt du, als ich so alt war wie du, gab es kein Internet. Auch kein langsames. Es gab gar keines! Und unsere Freunde kannten wir persönlich“.

Am Ende, als alle vermeintlichen Delinquenten freigesprochen sind, kündigt Rütter nach minutenlangem Applaus an, mit seiner neuesten Show gerne wiederzukommen. Nächster „Freispruch!“-Termin bis dahin ist am Samstag, 18. Januar 2019, um 20 Uhr in der Aschaffenburger „frankenstolz Arena“. Und auch dort werden wieder die „Katzenleute“ hereingelassen.

Hundebesitzer sind laut Martin Rütter nämlich sehr tolerant.