Kultur

Kunst Zum 350. Todestag von Rembrandt Harmenszoon van Rijn präsentiert das Kölner Wallraf-Richartz-Museum eine große Ausstellung

Der Meister, der die Falten feiert

Archivartikel

Blutjung waren die beiden Kerle, mit langen Mähnen, Goldohrring und Flaumbart, und galten doch schon als kommende Stars der Kunstszene: Rembrandt Harmenszoon van Rijn und Jan Lievens um das Jahr 1630. Aber was malten diese beiden Freunde, die gleichzeitig als Rivalen miteinander wetteiferten? Greise! Frauen und Männer mir runzliger, durchscheinender Haut, hängenden Augenlidern, eingefallenen Mundwinkeln und erloschenem Blick.

Wenn man durch die Ausstellung „Inside Rembrandt“ anlässlich seines 350. Todestags im Kölner Wallraf-Richartz-Museum läuft, dann sieht man vor allem steinalte Menschen. Es ist geradezu eine Schau gegen den Jugendwahn. „Rembrandt war vor allem fasziniert vom Typ des weisen Gelehrten“, erläutert die Kuratorin Anja Sevcik.

Ein Höhepunkt ist der großformatige „Gelehrte im Studierzimmer“, ein wenig bekanntes Meisterwerk, weil es seit 70 Jahren ununterbrochen in der Nationalgalerie Prag hing und erst jetzt erstmals ausgeliehen wurde. „Dabei präsentiert er den Gelehrten aber nicht etwa dozierend, sondern in Gedanken versunken. Er sucht noch nach Antworten“, erläutert Sevcik.

Nymphen und reiche Bürgerinnen

Daneben gibt’s zur Auflockerung auch ein paar jugendliche Gegenpole in der Ausstellung, darunter Nymphen, reiche Bürgerinnen und Rembrandts große Liebe Saskia van Uylenburgh. Und ganz klein in der rechten unteren Ecke des Gemäldes „Bad der Diana“ aus der Wasserburg Anholt einen Frosch, der ja ein schöner junger Prinz sein könnte. Es ist heute wenig bekannt, dass Deutschland mehr Rembrandt-Gemälde besitzt als die Niederlande. Köln ist allerdings nicht gerade ein Rembrandt-Hotspot, was damit zu tun hat, dass die Stadt früher erzkatholisch war und Rembrandt als protestantischer Maler galt. Die wichtigsten deutschen Rembrandt-Museen sind die Gemäldegalerien in Berlin, Dresden und Kassel.

Dennoch ist es jetzt das Kölner Museum, das vom 1. November bis zum 1. März 2020 die deutsche Sonderausstellung zu Rembrandts 350. Todestag organisiert. Man darf zwar nicht erwarten, dort um die Ecke zu biegen und Hauptwerke wie die „Nachtwache“, die „Anatomie des Doktor Tulp“ oder „Die Judenbraut“ vor sich zu sehen.

Ausgezeichneter Überblick

Zugleich bietet die Ausstellung einen ausgezeichneten Überblick über Rembrandts Universum. Sie umfasst 13 seiner Gemälde, fünf Zeichnungen und 41 Radierungen. Dazu kommen 50 Werke von Zeitgenossen, vor allem von Schülern.

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