Kultur

Der Motor und Mahner

Archivartikel

Manfred Fuchs hat zahlreiche Spenden eingeworben, mit seiner ganzen Erfahrung und Autorität das Neubauprojekt als Vorsitzender des Stiftungsrates maßgeblich vorangetrieben.

Stolz“. „Glücklich“. Wenn man derzeit mit Manfred Fuchs spricht, gebraucht er diese Worte mehrfach. Der Unternehmer, Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrats von Fuchs Petrolub und Mannheimer Ehrenbürger hat auch allen Grund dazu, stolz und glücklich zu sein. Der Neubau der Kunsthalle ist, neben Stifter und Architekt, zu einem ganz großen Teil sein Werk. Als Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Kunsthalle hat er ihn maßgeblich vorangebracht – organisatorisch und finanziell, als Motor und Vermittler, als Spender und durch Gewinnung von Spendern.

„Ich bin sehr glücklich, dass der Neubau steht – in einer relativ überschaubaren Zeit für so einen großen, komplexen Bau“, so Fuchs zufrieden. „Sehr glücklich“ sei er ebenso über das Ergebnis: „Ich finde, der Bau ist großartig geworden mit seiner hellen, lichten Architektur, den verschiedenen Ausstellungskuben und seiner perfekten Funktionalität bis hin zu den Depots“, lobt er, und das – allein auf den Bau bezogen – „innerhalb des Termins“, wie er hervorhebt. Mit dem Aussehen ist er „sehr zufrieden“, Fuchs: „Wir wollten eine Architektur, die nicht für sich skulptural wirkt, sondern dem Zweck dient“, und das sei „hervorragend gelungen“.

Und noch etwas lässt ihn sehr zufrieden sein: „Wir haben den Bau zu 85 Prozent privat finanziert“, betont er ausdrücklich. Für ihn ist das „ein eindrucksvoller Beleg für eine gelungene öffentlich-private Partnerschaft“, und er freue sich, dass dies der Bundespräsident in seiner Rede bei der offiziellen Schlüsselübergabe im Dezember ausdrücklich würdigte.

Für Fuchs schließt sich damit quasi ein Kreis – denn die Kunsthalle ist seit Kindheitstagen eine Konstante in seinem Leben. Schon zu seiner Schulzeit hat er viele Stunden da verbracht, ist in den Pausen vom nahen Karl-Friedrich-Gymnasium herübergekommen. „Da saß ich oft im Expressionistensaal und war immer sehr begeistert!“, blickte er mal zurück. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, übernahm 1962 vom Vater die Rudolph Fuchs Mineralölwerk KG, baute die Firma zu einem börsennotierten, international erfolgreich agierenden Konzern aus. Nach langen Jahren als Vorstandschef wurde er 2003 stellvertretender Aufsichtsratschef, gab diese Position in diesem Jahr an seine Tochter ab. Entspannung fand Fuchs immer bei der Kunst – er malt ja auch selbst.

Bei seinem Engagement sieht sich Fuchs in der Tradition des großen Mannheimer Bürgertums, das sich zu den goldenen Zeiten der Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wie auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenso für das Gemeinwesen einsetzte. „In einer Gesellschaft, wo so viele Entmutiger unterwegs sind, ist er ein Ermutiger, Unterstützer und Gestalter“, erwies Oberbürgermeister Peter Kurz dem Unternehmer großen Respekt, als er ihm im Juni 2014 die Ehrenbürgerwürde verlieh. Fuchs sei „das Ideal eines weltoffen und sozial denkenden und handelnden Bürgers“, so Kurz.

Weil er selbst als Vorbild agiert, nahm er schon oft auch andere Unternehmer in die Pflicht. Kaum einer sagt Nein, wenn Fuchs am Telefon ist – und auf diese Weise hat er viele Millionen Euro an Spenden zunächst für die Stiftung Nationaltheater akquiriert, dann begann er die Werbung für die neue Kunsthalle.

Zunächst sagte er 2012 selbst eine Million Euro als Spende für die Baukosten zu, verdoppelte den Betrag schließlich. 2013 folgte eine weitere großzügige Geste – er avisierte der Kunsthalle seine privaten Schätze als Dauerleihgaben. Dabei handelt es sich um 15 bis 20 Gemälde und einige Skulpturen. Die Werke stammen teils aus der Familie Werlé, aus der seine Frau kommt, teils haben sie Lieselotte und Manfred Fuchs erworben. Dabei handelt es sich um Arbeiten der expressionistischen Künstlergruppe „Brücke“ und der internationalen Moderne. Darunter befinden sich zwei Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner von 1913 und 1920, eine Arbeit von Erich Heckel von 1912, zudem 1908 und 1919 entstandene Bilder von Karl Schmidt-Rottluff, aber auch Werke, die im Umfeld der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ entstanden, etwa von Jawlensky, Kokoschka und anderen großen Namen.

Als klar war, dass eine Stiftung und nicht die städtischen Baubehörden den Neubau der Kunsthalle abwickeln soll, übernahm Fuchs den Vorsitz. Viele sahen in ihm den Garanten dafür, dass die Kosten eingehalten werden, auf Qualität und Zeitplan geachtet wird. Und er verbrachte viel Zeit damit, mit all seiner Erfahrung und seiner Autorität den Neubau voranzutreiben sowie die Finanzierung zu sichern.

Erst wurde auf Plakaten, Postkarten und Pins, bei Kunstaktionen in der ganzen Stadt und sogar beim Fasnachtszug mit einer pinkfarbenen Gießkanne erfolgreich um Kleinspenden geworben. Ab 2015 suchte man dann Paten für einzelne Bauteile wie Wand, Pfeiler, aber auch Dachgarten oder Skulpturenterrasse. Und immer war es Manfred Fuchs, der Leute persönlich ansprach, zum Essen einlud, sie um Gelder bat.

Das tut er weiter. Zuletzt hat er einen Stifterkreis formiert, der dauerhaft die Kunsthalle unterstützt, „damit unser Juwel mit Leben erfüllt wird und strahlt“, wie Fuchs sagt. Ziel ist, dass dieser Kreis einmal 100 bis 150 Mitglieder haben wird und anfangs 755 000 Euro im Jahr, später noch mehr aufbringt. 57 Zusagen hat er schon. „Es lief bisher gut, aber das ist natürlich bei weitem noch nicht das Ziel“, räumt er ein. Er führe viele weitere Gespräche und sei „guten Mutes“, so Fuchs optimistisch. Bei den Baukosten hat es ja auch geklappt.

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