Kultur

Wunder der Prärie Konzertperformance mit vier E-Autos in Alter Feuerwache Mannheim

Der Motorenklang der Zukunft

Archivartikel

Wer schon immer wissen wollte, wie es klingen könnte, wenn Darth Vader nach langem Arbeitstag mit seinem Elektroauto nach Hause fährt: die Antwort trägt den Titel „Breathing“ und kommt in akustischer Gestalt eines mechanisch schnaubenden, je nach Geschwindigkeit seine Atemstoßintervalle verändernden E-Motorgeräuschs daher.

Die Konzertperformance „E-Sound of Silence“, die mit neun Künstlern und vier Elektroautos unter dem Dach des Festivals Wunder der Prärie in der Alten Feuerwache Mannheim aufgeführt wird, bietet noch viele andere Visionen für Auto-emittierte Klänge. Die zwischen Presslufthammer, Düsenantrieb und Nähmaschine changierenden „Production Sounds“ etwa, das in Wellenschlag, Delphin-Schnattern und Zimbel-Klang gehüllte „Stones“-Amalgam oder den aufgekratzten Überspannungs-Modus bei „Analogue Turntable“. Bei „Laugh an cry“ ist der Vorwärtantrieb der in Rangier-Choreografien bewegten Fahrzeuge mit Lachgeräuschen, das Rückwärtsfahren mit greinendem Wimmern gekoppelt. Das ist eine reichlich eindrucksvolle und künstlerisch sehr rund laufende Sache, die zudem den gesellschaftspolitischen Mobilitätsdiskurs vorantreibt.

Instruktives Publikumsgespräch

Die Kuratoren und Konzeptionisten Tanja Krone und Muath Isaied haben hierfür zusammen mit sieben weiteren Künstlern aus Deutschland und Jordanien (Nairuz Al-Ajlouni, Oliver Augst, Friedrich Greiling, Ziggy Has Ardeur, Dura, Amjad Shahrour, Georg Werner) in einem fünftägigen Workshop überlegt, wie „der Klang der Stadt der Zukunft sein“ sein solle, so Krone – festgemacht an Elektroautos. Diese bewegen sich geräuschlos, „vor allem, wenn sie unter 30 km/h fahren“, erläutert sie. Seit Sommer gebe es ein Gesetz, wonach E-Autos auch unterhalb dieser Geschwindigkeit „nach etwas klingen müssen“.

Unterstützt wurden die Künstler von einem Beirat aus gut einem Dutzend Bürgern, die im anschließenden Gespräch mit Krone diskutieren. Ebenfalls dabei: Brigitte Schulte-Fortkamp, Psychoakustikerin der Technischen Universität Berlin und Klaus Genuit, Sound-Ingenieur bei der HEAD acoustics GmbH. Beide führten zuvor mit SWR2-Moderator Thomas Ihm und Musiker Thomas Gläßer an selber Stelle ein instruktives Gespräch zum Thema „City Soundscapes – Klang und Krach im Stadtraum“, mit dem die Wunder-der-Prärie-Reihe „Autoquartett“ zu Ende ging. Schulte-Fortkamp weist im Publikumsgespräch darauf hin, dass der Gesetzgeber etwa Naturgeräusche nicht vorsehe – „nur technische Geräusche“. „So schön der Sound von einem Auto ist – kommt er mehrfach und unterschiedlich, wird es schon recht unharmonisch.“

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