Kultur

Bernd Köhlers Polit-Trio ewo veröffentlicht neue CD

Der Takt schlägt links

Archivartikel

Mannheim.Der Mann ist als politischer Liedermacher in Mannheim eine Institution: Bernd Köhler, früher unter dem Künstlernamen „Schlauch“ bekannt, ist seit gut 50 Jahren ein Chronist der linken Szene. Er sang bei Streiks, auf Gewerkschaftskundgebungen, unterstützte autonome Jugendzentren und Hilfsprojekte etwa in Nicaragua. Jetzt hat er mit dem Projekt ewo2 sein drittes Album veröffentlicht: „Avanti Popolo 3“.

Auf dem ersten Werk ohne den 2016 verstorbenen Gitarristen Hans Reffert schlägt Köhler neue Töne an. Die Musik klingt jetzt zugänglicher, volksliedhafter. Mit Laurent Leroi (Akkordeon) und Joachim Romeis (Violine) wagt der Liedermacher den Balanceakt vieler politischer Sänger – zwischen Eingängigkeit und Widerborstigkeit.

Wie stark darf die Musik als Transportmedium für politische Aussagen ein Eigenleben führen? Diese Frage steht über dem Album: Mit Reffert klang ewo2 naturgemäß avantgardistischer, innovativer, was auf „Die Herren der Welt“ noch einmal eindrucksvoll zu hören ist, auf dem der Gitarrist mit düsteren Störklängen die Anklage gegen die Machenschaften der Rüstungsindustrie musikalisch noch intensiviert.

Starke historische Lieder

In der aktuellen Besetzung sorgen das mal dissonant zerrende, mal expressiv seufzende Akkordeon sowie folkloristische Bluegrass- und Sinti-Folk-Akzente auf der Geige für eine musikalische Ergänzung der Texte. Den stärksten Eindruck hinterlassen durchaus überraschend die historischen Lieder, die Köhler für das Album aufgespürt hat. „Ist der Reichtum eine Frucht?“ ist eine starke, grimmige Anklage gegen Lebensmittelspekulanten. Und sie stammt – aus der Zeit der französischen Revolution. Aristide Bruants trotzigem „Les Canuts“ über einen Weberaufstand 1831 hört man in jeder Note an, dass die Zeilen förmlich mit Blut getränkt sind. Und den kubanischen Revolutionsklassiker „Hasta Siempre“ bricht das Trio mit sperrigen Brüchen spannungsvoll auf.

Zugänglichere Lieder wie Köhlers nostalgische Mutmacher-Hymne aus den 1970ern, „Komm Marie“, das angesichts des Themas etwas zu wohlklingende „Andre, die das Land so sehr nicht liebten“ oder auch das alte Volkslied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ wirken dagegen flacher und fallen etwas aus dem Rahmen – wenn man nicht nur die Attitüde, sondern auch die Ästhetik als Maßstab der Bewertung heranzieht. Aber die hohe Musikalität aller Beteiligten und Köhlers ausdrucksstarker, forscher Gesang machen „Avanti Popolo 3“ hörenswert. Und die CD bietet eben so manche Entdeckung.

Info: Die CD ist erhältlich über: www.ewo2.de 

Zum Thema