Kultur

Theater Heilbronn A-cappella-Band Maybebop begeistert mit „Ziel: los“ im Großen Haus

Der Tango von Choruso

Archivartikel

„Ich atme tief, ich fühl die Wärme. Ich heb den Blick, fixier‘ die Ferne und seh‘ ganz klar das Ziel: los! Ich werfe ab, was mich beschwert hat, bewahre nur noch das, was Wert hat mit Sicht aufs klare Ziel: los! Ich spür, wie ich mit jedem Schritt an Kraft gewinn’. Vor mir unendlich viel, in mir ein einziges Ziel: los! Ich will ohne Karte wandern, quer durchs ganze Land mäandern. Vor mir das klare Ziel: los! Ich will Gräben überwinden und unter Fremden Freunde finden.“ Kann man den Weg ins 21. Jahrhundert schöner beschreiben?

Mit klarer Programmatik startet Maybebop in einen Konzertabend, der von der 500-köpfigen Fangemeinde im Großen Haus des Heilbronner Theaters bejubelt wird.

Die A-cappella-Band Maybebop wurde 1992 vom Bariton Oliver Gries (geboren 1973) gegründet. Derzeit besteht das Ensemble aus dem Countertenor Jan Malte Bürger (Jahrgang 1979), dem Tenor und Stimmperkussionisten Lukas Teske (geboren 1980) sowie dem Bassisten Christoph Hiller (1982).

Abwechslungsreiches Programm

Dominierten anfangs eigene Arrangements von Jazzstandards, wurde das Repertoire im Laufe von 27 Jahren enorm erweitert und ist mittlerweile stilprägend für Pop-A cappella. Mehrfach international ausgezeichnet wurde ihr Arrangement des Rammsteintitels „Engel“, 2009 sogar zum Pflichtstück für den deutschen Chorwettbewerb bestimmt. Dem betörenden Sound kann sich niemand entziehen: „Is this the real life? Is this just fantasy? Caught in a landslide, no escape from reality.“ Wenn Maybebop im Zugabenblock die „Bohemian Rhapsody“ (Queen, 1975) anstimmt: Ist dies das wahre Leben oder eine Halluzination? Nein, Freddie Mercury ist nicht von den Toten auferstanden, hier musiziert Maybebop.

Ob zärtliche Gefühle zur Klavierlehrerin, ein alter Berufswunsch (Lokomotivführer)oder Eltern, die nur „Das Beste fürs Kind“ wollen, Mastermind Oliver Gies parodiert was die Realität hergibt. Auch der haarsträubende Wortwitz von Frisören (vor-Hair nach-Hair, Hair-Gott, Haar zwei O) gibt eine Steilvorlage ab für einen Boykott der Barbiere durch Chor-Schatten und Robinson Chorusos. Wie wäre es mit einem „Raggamuffin“ auf der nächsten Gartenparty im Schluckaufrhythmus:

„Der Teig wird perfekt und herrlich schokolastig. Ein echter Raggamuffin ist ein Raggamuffin nur für die schwarze Kultur. Mich beneiden alle Bäcker auf Jamaica, denn mein Teig ist nicht nur tight, mein Teig ist tighter.“

Mal rotieren die Vier in perfekter Harmonie durch ein Lied, mal ist das Stück auf die solistischen Qualitäten zugeschnitten: Lukas Teske lädt auf Berliner Mundart zu einer kleinen Segelpartie ein: „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen“.

Stabil bis in die höchsten Höhen

Christoph Hiller, ein Bass mit Wahnsinnsresonanz, trotz zierlicher Statur, intoniert die Schöpfungsgeschichte mal andersrum: „Am siebten Tag schuf der Mensch Gott und er sah, dass es gut war“. Stabil bis in die höchsten Höhen zelebriert Jan Bürger das „Ave Maria“, und das Publikum zerschmilzt im Wohlklang.

Auch Publikumsbeteiligung gehört zum Konzept. Nervenkitzel pur, wenn Oliver Gries zum spontanen Showdown auffordert: „Wir machen einen Song für euch. Nennt uns ein paar Begriffe!“ Die Fans lassen sich nicht lange bitten: Hundefutter, Beuteltier, T-Saurus, Bundesgartenschau und Sehschwäche.

Begleitet von seinen Kumpels – wunschgemäß im Tangorhythmus – improvisiert Gries aus diesen Zutaten einen Song, der das Zeug zur Image-Werbung hat.

Spannendes Lichtdesign und gut gemachte Videos vervollständigen das Gesamtbild. Kommentar der Band: „Die Heilbronner waren super drauf und wollten sich am Ende gar nicht mehr setzen. Auch ohne aktuelles Album im Gepäck ließen uns die Leute am CD-Stand keine Ruhe.“