Kultur

Der Taucher taugt was

Archivartikel

Das Schöne an einem Festival ist ja, dass neben Kultur auch Begegnung und Gespräch auf dem Programm stehen. Vor, nach und zwischen den Veranstaltungen, bei Pendelbusfahrten, Stadtbegehungen oder einfach am Getränkestand begegnet man Nachbarn, Kollegen, Theaterfreunden oder einstigen Ensemblemitgliedern. Bei den Schillertagen ist die Ehemaligendichte erfreulicherweise hoch. Natürlich spricht man kurz darüber, was man gesehen hat oder sehen wird, fragt nach dem Befinden und wie es nun in Berlin, Basel oder Bielefeld steht, bevor man weitergeht.Ein Thema, das überall Platz findet, ist die traurige Tatsache, dass erneut kein Weg am Einweg-Getränkebecher vorbeigeht. Vegetarisches und veganes Angebot nehmen zu, doch beim Wegwerfbecher ist keine Lösung in Sicht, weil im Außenbereich kein Glas sein darf. Dass es keine Mehrweg-Pfandbecher gibt, ist DAS Aufreger-Thema bei Schiller am Goetheplatz. Schiller? Becher? Da war doch was... In seiner Ballade „Der Taucher“, von Schülern mit „Gluck, gluck, weg war er“ in Kurzform gebracht, geht es um einen verantwortungslos weggeworfenen Becher, wenn auch einen goldenen.

Als hätte der weise Friedrich geahnt, wie es heute auf plastikverseuchten Meeresböden aussieht, lässt er den Taucher sagen: „Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch, / Zu scheußlichen Klumpen geballt“ allerlei verunstaltete Fische. Aber vielleicht taugt „Der Taucher“ ja für die Zukunft? Man könnte einen schönen Schillerbecher gestalten, ihn zum Souvenir werden lassen... Dann hieße es, nach Schiller: „Wer mir den Becher kann wieder zeigen, Er mag ihn behalten, er ist sein eigen.“