Kultur

Nachruf Der französische Regisseur Claude Lanzmann ist im Alter von 92 Jahren gestorben / Frank-Walter Steinmeier würdigt Schaffen

Der „unermüdliche Mahner“ geht

Archivartikel

Der französische Filmemacher und Schriftsteller Claude Lanzmann ist gestern in Paris gestorben. Die Ehefrau Dominique Petithory bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Regisseur des Holocaust-Zeitzeugenfilms „Shoah“ gestern im Alter von 92 Jahren starb. Zuvor hatte die Zeitung „Le Monde“ berichtet.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihn als „unermüdlichen Mahner gegen das Vergessen“. „Mit dem Film ,Shoah’ hat Claude Lanzmann ein Meisterwerk der Erinnerung geschaffen.“ Der Film sei ein bewegendes Dokument, „das die jetzigen und künftigen Generationen in die Pflicht nimmt“, schrieb Steinmeier an die Witwe Dominique Petithory.

Als Kämpfer gegen das Vergessen und als scharfsinnigen Dokumentarfilmer würdigten Lanzmann auch seine Wegbereiter. Er habe mit Intelligenz und Einfühlsamkeit gezeigt, was die Shoah war, sagte der Rechtsanwalt und Nazi-Jäger Serge Klarsfeld über den Filmemacher und Journalisten. Mit seiner zweiteiligen, neunstündigen Zeitzeugen-Dokumentation „Shoah“ über den Völkermord an europäischen Juden hat Lanzmann Geschichte geschrieben.

Lanzmann wurde am 27. November 1925 im Großraum Paris geboren. Als Jugendlicher engagierte er sich in der kommunistischen Jugendbewegung Frankreichs, der französischen Widerstandsbewegung. Nach dem Krieg studierte er ab 1947 in Tübingen Philosophie und war Lektor an der Freien Universität Berlin.

Lanzmann war dreimal verheiratet, darunter auch mit der 2016 gestorbenen deutschen Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff. Lanzmann zählte unter anderem den Philosophen Jean-Paul Sartre (1905-1980) zu seinen Wegbegleitern.