Kultur

Klassik Schauspieler Peter Simonischek führt mit dem Sinfonieorchester Basel Beethovens „Prometheus“ in Mannheim auf

Der vor langer Zeit das Feuer brachte

Vielseitig ist er seit eh und je: In Salzburg war er Jedermann, im Kino Toni Erdmann. Und jetzt tritt der mittlerweile 73 Jahre alte, große Schauspieler Peter Simonischek in einem klassischen Konzert in Mannheim auf, um „Die Geschöpfe des Prometheus“ vorzutragen. Beethovens Ballettmusik von 1801 wurde zu diesem Zweck mit neuen Zwischentexten ausgestattet, die der Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer angefertigt hat. Es kostete ihn Mühe, wie er im Programmheft andeutet. Auch gibt sich Sulzer glaubwürdig bescheiden und betont, zu wissen, dass ihn Beethovens Musik nicht wirklich brauche.

Seine Texte sind gleichwohl aus der etwas entrückten Perspektive eines wissenden Erzählers formuliert, der alles schon gesehen hat: das Chaos zu Beginn der Weltschöpfung, die frühe Zeit (als Götter noch ganz unter sich waren), die Heldentat des Feuer- und Kulturbringers Prometheus – und die Strafe durch den rachsüchtigen Zeus, der schließlich die Pandora zu den Menschen schickt. Und einen Krug, bis an den Rand gefüllt mit allen Übeln dieser Welt.

Klingt ziemlich spannend. Ist es allerdings nicht immer, auch weil Autor Sulzer überwiegend kleinteilig verfährt und seinen Riesenstoff als Häppchenkost verabreicht: Textauszüge und Musikstücke wechseln sich ab. Dabei entsteht nicht immer Reibungsenergie, Sulzer sucht eher „friedvolles Zusammenleben“. Er entgeht damit nicht völlig der Gefahr, dass beides episodisch bleiben könnte: Textteil und Musik. Die Aufführung dauert im Mozartsaal des Rosengartens deutlich über eine Stunde. Doch Peter Simonischek, mit seiner Schaubühnen und Burgtheater füllenden Statur, adelt die Sulzer-Aneignung zur Grandseigneur-haft souveränen Nacherzählung eines großen Mythos’. Vom Olymp herab, gewissermaßen.

Mitreißender Mix

Während Ivor Bolton und das Sinfonieorchester Basel handfest irdisch bleiben. Beethoven, Prometheus der Musik, probt hier, auf der Ballettbühne, bisweilen schon die großen Sinfonien, hauptsächlich in dem berühmten Abschnitt, der den Schlusssatz der „Eroica“ vorwegnimmt. Derlei lässt sich Bolton, ein historisch bestens informierter Dirigent, natürlich nicht entgehen. In der dritten „Leonoren“-Ouvertüre Beethovens – die das Konzert beschließt – wartet das gute Baseler Orchester mit Naturhörnern und knackig knatternd inszenierten Fern-Trompeten auf. Bevor es in der Zugabe, einem Nocturne von Gabriel Fauré, das Feuer bändigt. Und am Ende löscht. Doch Bolton und die Baseler machen sich um Fauré trotzdem verdient, sie tun es derzeit gar mit einer eigenen CD-Serie.

Auf keinen Fall vergessen darf man beim Konzert in Mannheim auch den jungen spanischen Cellisten Pablo Ferrández, nicht nur, weil er ein Favorit und Schützling Anne-Sophie Mutters ist. Er spielt im Rosengarten das a-Moll-Konzert Saint-Saens’. Blitzsauber intonierend, und mit einem mitreißenden Mix aus „echt“ romantischem Gefühlsstau und zirzensischer Rasanz. Da tobt der Mozartsaal.

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