Kultur

Nachruf Mannheim trauert um israelischen Künstler David Tzur

„Deutschland verbunden“

Vier Mal hat er seine Zeichnungen, Aquarelle und Feuersteine in Mannheim ausgestellt: 1991, 1995, 2003 und zuletzt im Jahr 2007 in der Lanz-Kapelle auf dem Lindenhof. „Dort war er den ganzen Tag anwesend, zeichnete und fragte seine Besucher, wo sie herkommen und wie es ihnen gefällt“, erinnert sich Eginhard Teichmann aus Mannheim an seinen guten Freund, den israelischen Zeichner und Maler David Tzur. Der 89-Jährige verstarb am Morgen des 16. November.

Tzur wurde 1930 als Peter Stein in Budapest geboren. Er überlebte das Konzentrationslager Auschwitz und ging nach seiner Befreiung 1949 nach Israel. Dort lebte er in der kleinen Stadt Kiryat Tiv’on bei Haifa. Auch in seinen letzten Wochen habe er Witze gemacht, sich viel erinnert und erzählt, sagt seine Frau Metuka im Gespräch mit dieser Zeitung. Kennengelernt hatten sich die beiden in einem Waisenhaus in Budapest. Trotz seiner leidvollen Erfahrung in Auschwitz sei Tzur nie hasserfüllt und Deutschland immer sehr verbunden gewesen, erzählt Teichmann, der die Aufgeschlossenheit und Kontaktfreudigkeit des Künstlers schätzte. 1972 riskierte Tzur den Sprung ins freie Künstlerdasein und hat mit seiner Persönlichkeit und seiner einmaligen Miniaturkunst auf Feuersteinen, seinen filigranen Zeichnungen – wie von der berüchtigten tätowierten Nummer auf seinem linken Unterarm – und seinen leuchtenden Aquarellen eine große Fangemeinde in Mannheim und anderen Städten gewonnen.

Über seine Kindheit sprach er erst in seinen letzten Jahren, unter anderem in den Büchern von Autor Hans G. Meyer. Gegenüber seinen Kindern hatte Tzur behauptet, die tätowierte Nummer wäre eine Telefonnummer, die er sich nicht merken könne, erzählt Teichmann. 

Zum Thema