Kultur

Schwetzinger Festspiele I Kammermusik erklingt glanzvoll

Dichte Gefühle

Ewigkeit kann dauern. Selbst wenn der Engel der Offenbarung, auf den sich Olivier Messiaen in seinem „Quatuor pour la fin du temps“ (Quartett auf das Ende der Zeit) bezieht, schwört, dass es künftig im Reich Gottes keine Zeit mehr geben wird. Da Musik aber eine Zeitkunst ist, also von ständigen Veränderungen lebt, hat die kompositorische Darstellung der Ewigkeit so ihre Tücken. Wer allerdings die Kunst des Auslotens von Klangbildern und dynamischen Kontrasten derart feinsinnig beherrscht wie Florian Donderer (Violine), Sharon Kam (Klarinette), Tanja Tetzlaff (Violoncello) und Kiveli Dörken (Klavier), darf sich, vom Publikum gefeiert, auch himmlische Längen leisten.

Rationalität und Poesie im Kampf

Was die Vier unter dem Titel „Übergangszeiten“ bei den Schwetzinger Festspielen an genau erarbeiteter Expressivität und melodischer Farbigkeit bieten, ist hinreißend. Bereits Alban Bergs Adagio aus dem Kammerkonzert signalisiert Ungewöhnliches. Und Claude Debussys Sonate für Violoncello und Klavier, von Tanja Tetzlaff und Kiveli Dörken fulminant gespielt, erweist sich als ein Glanzpunkt des Abends. Gegen solche Vitalität hat es Bernd Alois Zimmermanns Cello-Sonate mit ihren etwas entwicklungsarmen Momentaufnahmen schwer. Obwohl sie in Tanja Tetzlaff eine vortreffliche Interpretin findet.

Vor dem abschließenden Messiaen-Quartett erklingen „Drei kleine Stücke für Violoncello und Klavier“ von Anton Webern. Und wie häufig bei diesem Komponisten erschließt sich auch hier aus dem Wenigen eine Spannung in dem Wissen, dass weder Rationalität noch Poesie den Kampf um die Welt gewonnen hat. Bis heute nicht. hub