Kultur

Jagoda Marinics Corona-Tagebuch

Die Causa Novak Djokovic

Liebes Corona-Tagebuch, 

liebe Leserinnen und Leser,

Tennis-Star Novak Djokovic hat sich mit seiner Adria-Tour den Ruf ruiniert. Djokovic war verantwortlich für die Tennis-Tour, die alle Bemühungen im Kampf um Corona „mit Füßen trat“, wie der Ex-Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen kommentierte. Djokovic wurde inzwischen positiv getestet, doch der Schaden für den Tennis-Sport und die bereisten Orte ist immens. Im Netz findet man nun Banner, die Djokovic den Corona-Tod wünschen, was zeigt, wie schnell sich Teile der Gesellschaft in diesen Zeiten radikalisieren, auch, weil sie ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet sehen.

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Der Leichtsinn Djokovics ist schwer verzeihbar. Kroatien steht zwar in Sachen Krankenhausbetten im internationalen Vergleich gut da, doch schon in Bosnien träfe die Ausbreitung des Virus auf ein geschwächtes Gesundheitssystem. Am Wochenende sah ich ein Interview mit Krankenhauspersonal aus Serbien, das verzweifelte: Es gäbe zu wenig Schutzkleidung, sie seien ungeschützt und jetzt schon unterbesetzt. Da die Regierung sich nicht kümmere, gehe ein Appell an die Bevölkerung: Sie sollten sich am besten selbst schützen und damit das Krankenhauspersonal.

Diese beiden Geschichten zeigen zwei große Herausforderungen dieser Pandemie, auch für wohlhabendere Länder, doch in ärmeren zeigen sie sich deutlicher: Die Tendenz zur Spaltung der Gesellschaft wird beschleunigt. Selbst Teile der Mitte werden immer radikaler und – vorerst verbal – gewaltbereiter. Serbien ist natürlich kein EU-Mitglied, doch geografisch gehört es zu Europa. Ein solch verzweifelter Appell des Krankenhauspersonals müsste von der EU gehört werden. Weitsichtig baut China in Südosteuropa an der neuen Seidenstraße. Die EU sollte die Länder an den Grenzen Europas nicht im Stich lassen, so viel Geopolitik sollte machbar sein.

Deutschland konnte durch seinen Wohlstand vieles abfedern, aber auch hier zeigt sich die Polarisierung. Durch wie viele Familien und Freundschaften geht plötzlich ein Riss, weil man sich entweder zum Lager „alles Verschwörungstheorien“ oder „kluges Krisenmanagement“ zählt? Oder weil man als Unternehmer selbst für die Maßnahmen bezahlen musste und nicht halbwegs sicher angestellt war? Die Causa Djokovic lehrt uns: Krisensensibles Reden und Handeln ist so wichtig wie lange nicht mehr. Bleiben Sie gesund!

Jagoda Marinic

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