Kultur

Ausstellung Frankfurt würdigt Multitalent Robert Gernhardt im Karikaturenmuseum / Werke von Satirikern der „Neuen Frankfurter Schule“

Die Ernstmacher und der Spaßmacher

Nur Kalauer oder doch Kunst? Für Robert Gernhardt war das keine Frage. Er verband Unsinn und Tiefsinn so gekonnt miteinander, dass Sprachwitz und Spöttelei nur so funkelten. Kürzlich wäre der Mann 80 Jahre alt geworden, der viele Talente in sich vereinte, den Sprachkritiker und den Satiriker, den Lyriker und den Erzähler, den Karikaturisten und den Zeichner. Vor elf Jahren ist Robert Gernhardt in seiner Wahlheimat Frankfurt gestorben, aber populär ist er nach wie vor. Geboren wurde er in Estland, kam aber schon 1946 nach Göttingen.

Nun ehrt ihn das Frankfurter Caricatura-Museum mit einer Schau, die 351 Karikaturen und Zeichnungen von 1964 bis 2005 versammelt. Und wem das noch nicht genug ist, der kann an Hörstationen den Gedichten lauschen, die der Meister selbst vorträgt. Aber auch Gernhardts Witze sind famos: „Herr Ober, die Suppe schmeckt so komisch“, mäkelt der Gast. Doch der Ober fasst das Wort „komisch“ anders auf und fragt zurück: „Warum lachen Sie dann nicht?“ Knapper und treffender kann keine Sprachkritik sein. Dieses Gefühl für die Tücken der Umgangssprache hatte der studierte Germanist früh entwickelt.

Bildgedichte und Aquarelle

Dass ihn zudem das Studium der bildenden Kunst zu einem versierten Maler und Zeichner machte, zeigen seine mit der Feder gestrichelten Comics, seine mit Pastellkreide gemalten Bildgedichte und seine Aquarelle zu den Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg. Bei Gernhardt hat mal die Zeichnung, mal das Wort mehr Gewicht. Selbst seine Kalauer gründeln tiefer, wie der Dreiteiler „Neulich im Hegelstübchen“ zeigt.

Freilich, die Schau kann nicht alles zeigen, was Gernhardt an höheren Blödeleien und tieferen Einsichten verzapft hat. Allein 1500 Werke von Gernhardt besitzt das Museum. Dazu kommen viele weitere Blätter seiner Mitstreiter bei den Satire-Magazinen „Pardon“ und später bei „Titanic“ wie F. W. Bernstein, F. K. Waechter, Chlodwig Poth, Hans Traxler, Pit Knorr, Bernd Eilert und Eckhard Henscheid. Die Satiriker, die auch für den Komiker Otto texteten, nannten sich „Neue Frankfurter Schule“ und lehnten sich damit ironisch an die sozialkritische Frankfurter Schule um Adorno und Horkheimer an.

Aber anders als Adorno & Co. ging Gernhardt selbst ernste Themen mit Humor an, sogar seine Herz-Operation und die spätere Krebserkrankung: „Nu liegste wieder flach./Nu liegste wieder wach./Nu fragste wieder: Warum ich?/Und hörst als Antwort: Wieso nich?“

Gernhardt schmiedete Verse, weil Komik erst aus dem Spiel mit Reim und Metrik entsteht, wie er meinte. Und die Komik half ihm, das Leben zu meistern: „Im Leben liegt viel Komik, man muss sie jedoch erkennen und der Wirklichkeit entreißen“, verriet er. Damit wurde der gebürtige Este zu einem populären Dichter, der die Grenze überwunden hat zwischen ernster Kunst und Unterhaltung, zwischen „Ernstmachern und Spaßmachern“, so seine Unterscheidung.