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Die Förderer

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Mit der Eröffnung des Neubaus feiert der Förderkreis sein 40-jähriges Bestehen. Er hat schon 115 Kunstwerke gespendet – unter anderem auch für die neue Kunsthalle.

Er ist eine große Bürgerinitiative – nicht gegen, sondern für etwas, gegründet aus Liebe zur Kunst: Mit der Fertigstellung des Neubaus der Kunsthalle feiert der Förderkreis sein 40-jähriges Bestehen. Ein doppelter Grund zum Feiern also, zumal es im Neubau eigens eine „Terrasse der Freunde“ mit Blick auf den Wasserturm gibt.

Als der Förderkreis 1977 gegründet wird, will er genau das, was sich jetzt – vier Jahrzehnte später – erfüllt: eine ansehnliche, große Erweiterung der Kunsthalle. „Das ist ein Leuchtturmprojekt für Mannheim“, ist Verena Eisenlohr fest überzeugt. Im November 2016 übernahm die 47-jährige Rechtsanwältin den Vorsitz des Vereins, in dem sie vorher schon lange mitarbeitete. Zudem ist sie im Bundesverband der Fördervereine Deutscher Museen für bildende Kunst aktiv. „Da merke ich, dass man deutschlandweit total gespannt ist auf dieses neue Haus in Mannheim“, so Eisenlohr. Der Neubau werde „bundesweit beachtet“ und viele Besucher auch über die Region hinaus anziehen.

Kritik an dem Gebäude kann sie nicht verstehen. „Mir gefällt es“, betont Eisenlohr und ergänzt: „Wer mal drin war, ist sicher begeistert, es ist ein wunderbares Raumgefühl, gigantisch. Ich finde es wirklich super gelungen“, betont die Vorsitzende. Auch die „Schleierwirkung der Fassade“ lobt sie: „Die wirkt je nach Tageszeit anders, ich finde das gut – aber das ist wie jeder Neubau letztlich Geschmacksache.“

Mitfinanziert hat der Förderkreis den Neubau jedoch bewusst nicht. „Wir wollen dafür sorgen, dass er mit Inhalt gefüllt wird“, beschreibt sie das selbst gesetzte Ziel des Förderkreises. Besonders in der Ära des Vorsitzenden Hans Bichelmeier (1987 bis 2002), der auch enorm viele Mitglieder gewann und unter dem der Förderkreis eine hohe gesellschaftliche Bedeutung erlangte, wurde der Schwerpunkt auf Kunst-Ankäufe gesetzt. Das führte der 2002 bis 2016 amtierende Vorsitzende Hanns Dieter Hasselbach fort. Auch Eisenlohr sieht sich in dieser Tradition.

Sie kann auf zwei bedeutende Zahlen verweisen. 115 Kunstwerke im Gesamtwert von 2,8 Millionen Euro hat der Förderkreis seither angeschafft oder über Stifter bekommen, um sie der Kunsthalle als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. „Das ist nur der Anschaffungswert – die Wertsteigerungen sind da nicht eingerechnet, das ist viel mehr“, hebt sie hervor.

Für den Neubau hat der Förderkreis die Anschaffung der spektakulären, raumfüllenden Multimedia-Installation „The Refusal of Time“, die William Kentridge 2012 für die Documenta 13 schuf, finanziert. Ferner ermöglichte der Verein den Ankauf von „Sechs Teile, lokalisiert“ – sechs Begriffe in Neonschrift des amerikanischen Konzeptkunst-Pioniers Joseph Kosuth, deren Licht von der „Terrasse der Freunde“ aus durch das große Fenster leuchten und von Außen erkennbar sein wird.

Auf der Terrasse werden sich die Mitglieder des Förderkreises künftig verabreden und austauschen können. Schließlich haben sie stets freien Eintritt. Eisenlohr definiert den Verein daher nicht allein als organisatorischen Rahmen, der Spenden sammelt und Ankäufe finanziert. „Wir sind eine Gemeinschaft, die sich für moderne Kunst interessiert, die sich gerne trifft, diskutiert – aber die sich eben auch engagiert, bürgerschaftliches Engagement und Identifikation mit der Kunsthalle zeigt“, formuliert es die Vorsitzende. So gibt es für die über 1700 Mitglieder regelmäßig Kunstreisen, Ausstellungs-Previews, spezielle Führungen und Vortragsveranstaltungen. Durch den Neubau erlebt Eisenlohr bereits eine Steigerung der Mitgliederzahl. Sie will weiter „die Begeisterung nutzen!“

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